Rufname: Paula

19.11.1892 in Niederschönhagen - 25.09.1976 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: evangelisch / Zeugin Jehovas
Ehemann: Friedrich Ernsting (12.08.1889 in Detmold - 29.04.1936 in Detmold)
Schwägerin: Elisabeth Ernsting

 

Wohnorte: Niederschönhagen
Oberschönhagen
30.07.1907 Detmold, Neustadt 6
01.07.1908 Detmold, Baumstr. 10
01.10.1908 Detmold, Lange Str. 29
01.11.1909 abgemeldet nach Niederschönhagen
21.03.1928 Detmold, Krumme Str. 5
08.1931 Detmold, Hans-Hinrichs-Str. 15

 

Paula Lehmann, verh. Ernsting zog als Fünfzehnjährige als sogenanntes Landmädchen nach Detmold. Hier heiratete sie Friedrich Ernsting und betrieb mit ihm ab 1924 eine eigene Bäckerei in der Hans-Hinrichs-Straße. Erste Kontakte zu den Ernsten Bibelforschern, die sich ab 1931 offiziell Zeugen Jehovas nannten, hatte sie ihren eigenen Angaben zufolge etwa 1921 durch einen persönlichen Missionsbesuch, doch erst drei Jahre später folgte sie einer Einladung zu einer Versammlung. Diese beeindruckte und überzeugte sie derart, dass sie umgehend erste eigene Missionsbesuche an Haustüren vornahm. 1931 konvertierten Paula und auch ihr Ehemann Friedrich Ernsting zu den Zeugen Jehovas und ließen sich in Schötmar taufen. Mit ersten Anfeindungen - unter anderem ob sie sich nicht schämte, den "Judennamen Jehova" zu tragen - wurde Paula Ernsting ab 1932 konfrontiert. Ab 1934 hielten das Ehepaar Ernsting Versammlungen in ihrem eigenen Haus ab und wurden fortan durch die Gestapo überwacht. Bereits wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1936 wurde Paula Ernsting im Rahmen der Verhaftungswelle dieses Jahres festgenommen (die Zeugen Jehovas wurden ab 1933 schrittweise, landesweit ab 1935 verboten) und Verhören durch die Gestapo unterzogen. Deren Versuchen, die Preisgabe von Namen weiterer Zeugen Jehovas zu erzwingen, widerstand sie. Ihre Überwachung wurde nach ihrer Entlassung fortgesetzt, da Paula Ernsting nun eine maßgebliche Rolle in der Untergrundtätigkeit der Zeugen Jehovas eingenommen hatte. So sorgte sie bei der illegale Vervielfältigung der Schriften wie dem "Wachturm" - es gab jeweils nur ein Exemplar aus Bad Salzuflen - für die notwendigen Materialien wie Papier, Druckerschwärze und Matrizen. Kopien dieser Schriften konnten im Konzentrationslager Wewelsburg von dort inhaftierten Zeugen Jehovas verdeckt angefertigt und über Mittelspersonen aus dem Lager geschafft werden. Paula Ernsting bot ein Versteck für die Kopien in ihrem Laden, der im Gegensatz zu ihrer Wohnung von der Gestapo nicht durchsucht wurde, und sorgte für die Verteilung der Schriften.

Paula Ernsting blieb trotz ihrer illegalen Tätigkeiten, anders als ihre Schwägerin Elisabeth, von Verhaftung und Lagerhaft verschont. Als Elisabeth Ernsting nach Jahren der Haft nach Detmold zurückkehrte, nahm sie Paula Ernsting für einige Monate bei sich im Haus auf, dessen Eigentümerin sie inzwischen geworden war.

Erst viele Jahre später, so im Jahr 1973, legte sie in zwei überlieferten Berichten ein eindrückliches Zeugnis ihres Widerstands ab.

Paula Ernsting starb in ihrem 84. Lebensjahr in Detmold.

   

QUELLEN : StdA DT MK, D 106 A Nr. 16204; Jehovas Zeugen, Archiv Zentraleuropa

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für Paula Ernsting (StdA DT MK )