E_Biographien
02.10.1894 in Bielefeld - 18.05.1943 im Konzentrationslager Sachsenhausen
| Religionszugehörigkeit: | evangelisch |
| Eltern: | Heinrich Echterhoff und Louise Echterhoff, geb. Prütersmeyer |
| Ehefrau: | Johanna (Hanna) Echterhoff, geb. Gilbrink (geb. 23.09.1893 in Waddenhausen), Näherin |
| Beruf: | Maschinenschlosser, Werkmeister |
| Wohnorte: | Bielefeld, Stadtheider Str. 43 29.09.1900 Bielefeld, Wittekindstr. 21 08.10.1919 Abmeldung nach Herford 11.10.1920 aus Gütersloh wieder Wittekindtsr. 21 25.12.1920 Ahlen/Westf. 05.04.1922 aus Konitz/Polen zurück 06.11.1922 nach Frankfurt/Oder abgemeldet 19.05.1925 aus Marky/Österreich zurück 15.07.1925 abgemeldet nach Lommatsch 20.09.1926 aus Jugoslawien zurück von Gütersloh i. W. 05.07.1941 Detmold, Feldstr. 34 Lügde, Vordere Str. 281 |
Nach dem Besuch der Bürgerschule absolvierte Erich Echterhoff drei Semester am Technikum und machte von 1908 bis 1912 eine Schlosserlehre in Bielefeld. Seine letzte Arbeitsstelle befand sich in Hannover. Er war ein überzeugter Gegner des NS-Staates und laut Aussagen seiner Ehefrau SPD-Mitglied. 1933 wurde er wegen Beleidigung und staatsfeindlicher Äußerungen in sogenannte Schutzhaft genommen. Von SS-Angehörigen wurde er wegen seiner politischen Äußerungen verprügelt. 1935 wurde ein Ermittlungsverfahren gegen Erich Echterhoff wegen staatsfeindlicher Äußerungen eingestellt.
1936 heiratete er Hanna Gilbrink. Wiederum wegen staatsfeindlicher Äußerungen und wegen Zeigen des Kommunistengrußes wurde er am 15. Juli 1937 vom Oberlandesgericht Breslau zu einer Haftstrafe verurteilt, die er verbüßte. 1938 wollte Echterhoff sich der Ludendorff-Bewegung anschließen. Im September 1939 wurde er durch die Gestapo wegen seiner Betätigung für die Partei festgenommen und vom Polizeigefängnis Höxter nach Sachsenhausen überstellt. Dort war vom 19. November 1939 bis 22. Januar 1940 inhaftiert (Häftlingsnummer 3893, Häftlingsblock 24). Am 3. Februar 1940 wurde er vom Sondergericht Dortmund wegen Verstoßes gegen das sog. Heimtückegesetz - er hätte einem "Arbeitskameraden" gegenüber u. a. geäußert: "Das Dritte Reich wird auch einmal zugrunde gehen, dann kommen wir dran. Dann reden wir auch mal mit." - zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er wurde in verschiedenen Arbeitskommandos des Strafgefangenlagers Oberems in Gütersloh (u. a. in Mastholte und Harsewinkel) eingesetzt. Wiederholt habe er dort seine Verurteilung als lächerlich dargestellt und sei durch eine gleichgültige Haltung gegenüber der Arbeit und dem Strafvollzug aufgefallen. Ein Antrag seiner Ehefrau auf Gnadenerweis vom 27. September 1940 wurde abgelehnt. Im September 1941 wurde er laut dem von seiner Witwe gestellten Entschädigungsantrag erneut verhaftet und war im Polizeigefängnis Detmold inhaftiert. Nach drei Wochen wurde er der Bielefelder Gestapo übergeben.
Die nur unvollständig erhalten gebliebenen Akten von Sachsenhausen dokumentieren, dass Erich Echterhoff am 8. April 1943 in das dortige Krankenrevier gebracht (Häftlingsnummer 13389) worden war. Wann er wieder nach Sachsenhausen überstellt wurde, ist hingegen nicht überliefert. Er starb, durch eine frühe Malariainfektion ohnehin in geschwächter körperlicher Konstitution, wenige Wochen später. Als offizielle Todesursache wurde Lungenentzündung angegeben.
QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 22 Bielefeld Nr. 94; D 106 Detmold A Nr. 2667; Lars Lüking (LAV NRW OWL); KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 23, 24; Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen; Arolsen Archives
- Details
22.08.1867 in Essen - 30.03.1964 Newark, USA
| Religionszugehörigkeit: | jüdisch |
| Eltern: | Elise Eichmann, geb. Hamlet (geb. 01.10.1837 in Schötmar) und Ascher Eichmann (geb. 16.04.1822 in Levern) |
| Geschwister: | Flora Hamlet, Eichmann (geb. 1853) (Tochter aus erster Ehe mit Jeanette Eichmann, geb. Goldschmidt) Anna Eichmann (geb. 1855) Louis Eichmann (geb. 1857) Ida Eichmann (geb. 1861) Martha Eichmann (geb. 1863) Julius Eichmann (geb. 1864, verst. vor 1874) Theodor Eichmann (geb. 1865, verst. vor 1874) Johanna Eichmann (geb. 5.08.1869) Emma Eichmann (geb. 06.06.1871) Max Eichmann (geb. 05.12.1873) Otto Eichmann (16.10.1875 in Essen - 10.09.1876 in Essen) Rosa Eichmann (geb. 05.04.1880) |
| Ehefrau: | Lina Eichmann |
| Kinder: | Irma Eichmann (12.02.1895 in Hagen - 25.03.1920 in Moers) Alfred Eichmann, später Alfred G. Eyck (geb. 23.07.1897 in Hagen) Lotte Goldstein, geb. Eichmann (geb. 14.01.1912 in Detmold) |
| Schwager: | Hermann Neugarten |
| Beruf: | Kaufmann, Fabrikant |
| Wohnorte: | 02.01.1866 Essen 05.02.1881 Rinteln 07.04.1882 Hannover Essen Hagen, Elberfelderstr. 29 25.101.1907 Detmold, Leopoldstr. 23 20.11.1913 Detmold, Bahnhofstr. 3 Sinalco AG 29.10.1923 Düsseldorf 06.12.1923 Detmold, Bahnhofstr. 3 23.01.1933 Rosenstr. 4 01.10.1938 Wehrenhagenstr. 16 16.10.1939 abgemeldet nach Nord-Amerika 09.10.1951 Detmold, Hermannstr. 19 bei Brandt |
Albert Eichmann wuchs mit zwölf Geschwistern auf und erlernte den Beruf des Kaufmanns. 1893 verlobte er sich mit Lina Neugarten und heiratete sie am 28. April 1894. Mit ihren beiden Kindern, Irma und Alfred, lebten sie in Hagen, wo Albert Eichmann in der Elberfelderstraße 34 ein Geschäft für "Manufactur-, Modewaren-, Confection- u. Aussteuerartikel" betrieb. Dieses Geschäft löste er 1907 auf und zog mit seiner Familie nach Detmold, wo 1912 seine Tochter Lotte geboren wurde. Albert Eichmann wurde zusammen mit seinem Schwager Hermann Neugarten gleichberechtigter Inhaber der 1906 gegründete Möbelfirma Neugarten und Eichmann OHG. Ein Zweigwerk befand sich in Uslar in Niedersachsen. Dieses Unternehmen entwickelte sich zu einem bedeutenden jüdischen Industrieunternehmen mit insgesamt 500 bis 600 Mitarbeitenden, das sich durch seine zahlreichen Vertreter im ganzen Land erfolgreich positionierte. In Lippe war die Firma Neugarten und Eichmann der größte jüdische Arbeitgeber.
Albert Eichmann gehörte nicht nur dem Vorstand der "Interessenten-Vereinigung der Gestell-Fabrikanten" an. Zusammen mit Hermann Neugarten engagierte er sich auch im Vorstand des "Verbandes der Möbel-Industriellen des Holzgewerbes für Lippe und Westfalen". Laut der Aussage früherer Mitarbeiter im späteren Rückerstattungsverfahren wurde Albert Eichmann von der Belegschaft der Firma auch nach dreißig Jahren noch "Vater Eichmann" genannt, was einen Eindruck von dessen Verständnis als Leiter des Unternehmens widerspiegeln mag. Albert Eichmann engagierte sich auf lokaler Ebene und in der jüdischen Gemeinde, war Beisitzer in der Ortsgruppe Detmold des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV), bekleidete den Vorsitz des Israelitischen Wohltätigkeitsvereins sowie des Jüdischen Kulturbundes, war seit der Gründung Mitglied des Landesverbandes der Synagogen-Gemeinden in Lippe und übernahm 1936 den Vorsitz des Gemeindeausschusses. Er genoss einen ausgezeichneten Leumund, so dokumentieren es Aussagen aus dem Entschädigungsverfahrens aus den 1950er Jahren (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 61159), auch wegen seiner "offenen Hand für soziale und kulturelle Zwecke der Stadt". So seien Lina und Albert Eichmann auch maßgeblich am Aufbau des Theaters beteiligt gewesen und hätten zu den ersten Bürgern der Stadt gezählt.
Unmittelbar nach Regierungsantritt der Nationalsozialisten stand die Firma als jüdisches Unternehmen im Fokus der neuen Machthaber und deren antisemitischen Maßnahmen. Diese dienten dazu, die beiden jüdischen Inhaber durch unrechtmäße Aneignung der Fabrik systematisch aus dem wirtschaftlichen Leben zu drängen und sie letztlich ihrer Existenzgrundlage zu berauben. Zahlreiche Boykottmaßnahmen auf unterschiedlichen Ebenen gegen die bislang so erfolgreiche jüdische Firma sollten dies befördern: Erzwungene Preisunterbietungen, um überhaupt noch am Markt existieren zu können, sollten die jüdischen Inhaber wirtschaftlich ruinieren. Jeder Kredit, der durch die Firma aufnahm, wurde öffentlich gemacht. Die Arbeitsbedingungen wurden für die Mitarbeitenden auch durch Maßnahmen wie die Nicht-Gewährung von Ehestandsdarlehen unattraktiver gemacht. Selbstredend wurde "Neugarten und Eichmann" von Wehrmachtsbestellungen ausgeschlossen. Kunden wurden unter Druck gesetzt, diese Firma zu meiden und nichts mehr bei ihr zu erwerben. Jüdische Einzelhändler, die mit "Neugarten und Eichmann" arbeiteten, wurden zum Ausscheiden gezwungen. Hetzkampagnen in der Presse, insbesondere im "Stürmer" sollten der öffentlichen Demontage und Demütigung von Albert Eichmann und Hermann Neugarten dienen. Laut Aussage eines ehemaligen Meisters und Betriebsleiters wurde der Messebetrieb auf der Leipziger Messe ebenfalls durch Boykottmaßnahmen, Beschimpfungen und Pöbeleiern zum Erliegen gebracht. Jahrelang hatte die Firma dort einen der größten Messestände sehr erfolgreich betrieben, der nun durch ein Schild mit der Aufschrift "Jüdisches Unternehmen" diskreditiert werden sollte. An weiteren innerbetrieblichen Boykottmaßnahmen seien auch Mitarbeiter beteiligt gewesen, die Namen von Kunden und Firmennamen preisgaben. Aufgrund dieser Maßnahmen seien die Geschäfte nur noch schriftlich abgewickelt worden und es sei unter einer Deckadresse geliefert worden. Die ehemaligen Inhaber Neugarten und Eichmann wurden von der Gestapo überwacht. Laut Aussage des damaligen Meisters und Betriebsleiters wurde der Betrieb durch SS und SA in Zivil und uniformiert, die sich auf der gegenüberliegenden Böschung postiert hatten, überwacht. Er berichtete auch von Pöbeleien und Beschimpfungen sowie von Fotos, die von der Orbker Straße am Betriebseingang gemacht wurden. Bereits im Jahr 1934 hätten bis zu vierzehn Männer nachts wache gehalten, da das Privathaus der Eichmanns mit Steinen beworfen wurde und Fensterscheiben zu Bruch gingen. In einer Nacht sei es auch zu Schießereien gekommen.
Durch die fortgesetzte Diffamierungen wurde die Firma konkurrenzunfähig. In den Jahren 1934/35 waren starke Verluste zu verzeichnen und die Firma konnte keine Gewinne mehr erzielen. Am 22. Oktober 1935 wurde die Firma Neugarten und Eichmann OHG zwangsweise in Vereinigte Möbelwerke GmbH (Werk I in Detmold, Werk II, Zweigwerk, in Uslar) mit Kapitalbeteiligung umgewandelt. Es verblieben den Inhabern noch 50 Prozent des zugrunde gelegten neuen GmbH Kapitals. Auf die Firmenanteile wurde eine Sperrfrist von fünf Jahren gelegt, so dass sie keinen Zugriff auf ihr Vermögen hatten. Die Namen Neugarten und Eichmann wurden damit aus der Firmenbezeichnung gestrichen. Die Firma galt als "getarnte" jüdische Firma. Auswärtige Firmen holten wiederholt Auskünfte der der NSDAP in Detmold ein, ob die Firma auch wirklich "judenfrei" sei. Der nun eingesetzte Treuhänder Dr. Fritz Möhle aus Bielefeld erhielt absolute Handlungsfreiheit. Ein neuer, nichtjüdischer Aufsichtsrat und Geschäftsführer wurden eingesetzt. Die jüdischen Mitarbeiter wurden entlassen und die Inhaber Hermann Neugarten und Albert Eichmann wurden auf eine Beraterfunktion herabgesetzt und schieden aus der Gesellschaft aus. Zunächst mutete es sich Albert Eichmann noch zu, im Betrieb anwesend, bis er sich dann gänzlich zurückzog. Durch diesen Vertrag waren ihm eine jährliche Vergütung sowie zehn Prozent des Jahresgewinns zugesichert worden. Dieser Beratervertrag wurde allerdings im Juni 1938 durch Eingreifen des Gauwirtschaftsführers in Münster annulliert. Somit blieben keinerlei Einnahmen für Albert Eichmann. Durch einen Wirtschaftsprüfer wurde das Stammkapital nach Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse als verloren erklärt. Neugarten und Eichmann traten ihre Firmenanteile zwangsweise als wertlos und daher ohne Gegenleistung ab. Alle Maßnahmen wurden unter voller Namensnennung in der Tagespresse und im "Stürmer" veröffentlicht. In den Jahren 1935 bis 1937 wurden acht jüdische Firmen in Lippe in den Handelsregistern der Amtsgerichte gelöscht und weit unter Wert veräußert. Auch das Zweigwerk in Uslar wurde 1935 zwangsarisiert und an die konkurrierenden ILSE-Werke (Inhaber Karl und Walter Ilse) übergeben. Auch hier verloren jüdischen Angestellten ihre Existenzgrundlage. 1938 sah sich Albert Eichmann gezwungen, ein Etagenhaus in Berlin sowie ein Gartengrundstück mit kleinem Haus in Uslar zu veräußern.
Im Oktober 1938 verließen Lina und Albert Eichmman das Haus in der Rosenstraße 4, wo sie dreizehn Zimmer bewohnt hatten, und zogen in eine Dachwohnung in der Wehrenhagenstraße 16. Hier hatte seit 1904 die Familie Plaut gelebt. 1939 floh Albert Eichmann vor der Gestapo nach einer Warnung aus dieser Wohnung und musste sich verbergen. Es ist nicht dokumentiert, wo sich Lina Eichmann zu diesem Zeitpunkt aufhielt. Im Entschädigungsverfahren gab Albert Eichmann an, es sei 1939 "höchste Zeit" gewesen, "mit seiner Frau ins Ausland zu flüchten, wenn wir noch unser nacktes Leben retten wollten." (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 61159) Das Auswanderungsvorhaben der Eichmanns gestaltete sich langwierig und zermürbend. Wiederholt reisten sie zum Konsulat nach Stuttgart und setzten sich den üblichen Schikanen aus. Am 20. August 1939 erhielten sie endlich die notwendigen Papiere1. Am 16. September 1939 konnten Lina und Albert Eichmann Deutschland verlassen. Ihre langjährige Haushälterin Luise Brandt, die 25 Jahre lang den Haushalt der Eichmanns geführt hatte, brachte sie noch bis an die holländische Grenze. Von Rotterdam reisten sie nach New York, nachdem sie einen Teil ihres Hausstandes weit unter Wert verkauft oder verschenkt hatten. Gold-, Silber- und Schmuckgegenstände hatten sie ohnehin schon abliefern müssen, ihre Bankguthaben wurden durch den NS-Staat entzogen. Durch die "Reichsfluchtsteuer", Golddiskontbank (DEGO)- Abgaben, Auswanderungskosten und Verschleuderungsverkäufe waren sie systematisch durch den NS-Staat beraubt worden. Hinzu kamen, abgesehen von den psychischen Belastungen, Schäden durch die Plünderung ihrer Wohnung. Ihre Kleidung konnten sie noch mitnehmen, nachdem jedes einzelne Stück staatlicherseits taxiert und eine entsprechende Gebühr dafür berechnet worden war. Zumindest einen Teil ihrer Möbel hatte ihr Sohn Alfred zuvor in die USA bringen können. Dort lebte inzwischen auch Lotte Goldstein mit ihrem Mann. Die Familienmitglieder konnten sie aufnehmen, ihnen ein rettendes Zuhause ermöglichen und vor allem für sie bürgen. Durch sie erhielten die Eichmanns ein Affidavit, eine offizielle und überlebenswichtige Bürgschaftserklärung, durch das sie ein Visum erhielten, um der Verfolgung durch Flucht entkommen zu können. Ihre Kinder versicherten eidesstattlich, dass sie für alle finanziellen Kosten der einwandernden Eltern aufkamen, damit diese der Staatskasse nicht zur Last fielen. Letztlich benötigten sie noch ein Zusatz-Affidavit, um Deutschland verlassen und in die USA einwandern zu können.
Das Leben im New Yorker Exil stellte sich wie für so viele Einwanderer angesichts des Alters, der mangelnden Sprachkenntnisse, des sozialen Abstiegs und der fremden Mentalität problematisch dar. Insbesondere Lina Eichmann fiel der Neuanfang schwer. Heimweh, das Wissen um das Verfolgungsgeschehen in Deutschland und Sorgen um Familienangehörige und Freunde hinterließen gesundheitliche Spuren. Albert Eichmann, so dokumentieren es seine Aussagen in den nachgelassenen Briefe, versuchte eher, den Blick nach vorn zu richten und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Sie bewohnten ein kleines Haus und vermieteten zwei Zimmer, um anfallende Kosten zahlen zu können. Um etwas zum Lebensunterhalt beitragen zu können und nicht gänzlich von der Unterstützung durch ihre Kinder abhängig zu sein, stellten Lina und Albert Eichmann Kandis her, den ihr Sohn als mobiler Händler verkaufte, und versorgten den Haushalt.
Nach dem Tod seiner Frau, die sich in den USA nie ganz heimisch gefühlt hatte, kehrte Albert Eichmann 1951 nochmals nach Detmold zurück, um seine Entschädigungsansprüche direkt vor Ort klären und befördern zu können. Er wohnte während dieser Zeit in der Hermannstraße bei seiner ehemaligen Wirtschafterin Luise Brandt. Da sich das Verfahren entgegen der offiziellen Zusage das hohe Alter der Anspruchsberechtigten zu berücksichtigen nicht zügig entschied, ersuchte Albert Eichmann enttäuscht und verbittert angesichts seines Alters 1955 um Unterstützung zur Beschleunigung des Verfahrens beim ehemaligen Regierungspräsidenten Heinrich Drake und dessen Nachfolger Gustav Galle sowie durch den Arbeitskreis IV (Arbeit und Soziales) der Bundestagsfraktion der CDU/CSU in Bonn. Seine Klage gegen das Land NRW in dieser Sache wurde 1957 abschlägig beschieden. Letztlich endete das sich über zehn Jahre erstreckende Rückerstattungsverfahren am 16. September 1963 mit einem außergerichtlichen Vergleich, von dem nur noch seine Erben profitieren konnten. Ein halbes Jahr später starb Albert Eichmann hoch betagt in Newark, New Jersey.
1 Das Procedere wird durch die nachgelassenen Briefe von Lina und Albert Eichmann und der Familie Herzberg dokumentiert. In: Gudrun Mitschke-Buchholz (2013)
QUELLEN: LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115 a, 6115 b, 6142, 7175, 61159; D 20 A Nr. 9763, 9764; D 20 B Nr. 468, 608, 609, 3301, 3499; D 27 Nr. 2646, 3035, 3096, 3301, 3499 ; D 72 Wolf, Martin Nr. 1; D 107/84 Nr. 853, 857, 887, 1077; L 113 Nr. 348, 432, 433, 472, 922, 1230; StdA Essen; StdA DT MK; StdA Hagen; StdA Rinteln
LITERATUR : Mitschke-Buchholz (2013)
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DOKUMENTE
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Albert Eichmann, o. J. (Sammlung Ludwig Köller, Detmold)
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Albert Eichmann im Alter, o. J. (Sammlung Ludwig Köller, Detmold)
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Werbung Neugarten & Eichmann, o. J. (Sammlung Gudrun Mitschke-Buchholz, Detmold)
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Werbung Neugarten & Eichmann, o. J. (Sammlung Gudrun Mitschke-Buchholz, Detmold)
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Rechnung Neugarten & Eichmann für Fritz Runte, Niedermarsberg, Detmold 22.02.1921 (Sammlung Gudrun Mitschke-Buchholz, Detmold)

Bescheinigung für Albert Eichmann vom Vorsitzenden des Verbandsausschusses der Synagogen-Gemeinden in Lippe (Abschrift), Detmold, 17.08.1939 (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115a)

Bescheinigung für Albert Eichmann von der Synagogen-Gemeinde Detmold (Abschrift), Detmold, 17.08.1939 (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115a)

Leumundszeugnis für Albert Eichmann von Herbert Stehberg, [o.D.], Dallas (USA) (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115a)

Bescheinigung für Albert Eichmann von Fred (Fritz) Herzberg, New York (USA), 09.04.1955 (Abschrift), (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115a)

Schreiben von Albert Eichmann an den Regierungspräsidenten Heinrich Drake, New York (USA), 29.04.1955 (LAV NRW OWL D 1 BEG Nr. 6115a)
- Details
04.08.1868 in Dortmund-Barop - 14.03.1950 in New York
| Religionszugehörigkeit: | jüdisch |
| Eltern: | Jeanette Neugarten, geb. Goldbach und Moses Neugarten (28.10.1827 in Huckarde - 11.12.1888), Handelsmann |
| Geschwister: | Fanny Neugarten (13.01.1876 - 22.04.1881), Hermann Neugarten (geb. 04.03.1880 - 24.02.1945), Manuel/Samuel Neugarten (geb. 15.06.1885) |
| Ehemann: | Albert Eichmann (22.08.1867- 30.03.1964) |
| Kinder: | Irma Eichmann (12.02.1895 in Hagen - 25.03.1920 in Moers) Alfred Eichmann, später Alfred G. Eyck (23.07.1897 in Hagen) Lotte Goldstein, geb. Eichmann (14.01.1912 in Detmold) |
| Beruf: | o. B., Hausfrau, Fabrikantengattin (laut Meldekartei) |
| Wohnorte: | Dortmund-Barop Duisburg Hagen 20.11.1913 Detmold, Bahnhofstr. 3 b. Sinalco AG 22.11.1923 Düsseldorf 06.12.1923 Detmold, Bahnhofstr. 3 23.01.1933 Detmold, Rosenstr. 4 b. Hofmann 01.10.1938 Wehrenhagenstr. 16 b. Plaut 16.09.1939 abgemeldet nach New York, USA |
Lina Neugarten stammte aus Barop, einem Stadtteil von Dortmund, und heiratete am 28. April 1894 Albert Eichmann aus Essen in Dortmund-Dorstfeld. Ihre Kinder Irma und Alfred kamen zwei bzw. vier Jahre später in Hagen zur Welt. 1907 zog die Familie nach Detmold, wo Albert Eichmann zusammen mit seinem Schwager Hermann Neugarten die 1906 gegründete Möbelfirma "Neugarten & Eichmann", später "Vereinigte Möbelwerke", an der Orbker Straße 41-47 (heute: Industriestraße 39-47) führte. Einen weiteren Firmensitz gab es auch in Uslar.
Lina Eichmann engagierte sich in sozialen und auch in politischen Bereichen. So war sie nicht nur als ‚jüdische Wohltäterin' bekannt, sondern setzte sich aktiv für politische Bereiche wie die Erlangung des Frauenwahlrechts ein. Sie gehörte dem Detmolder Frauenrat an, der sich in bürgerlichen Kreisen am 17. November 1918 und damit nur wenige Tage nach der Absetzung von Fürst Leopold IV. und der Begründung des Freistaats Lippe gebildet hatte. Ziel dieses in Deutschland einzigartigen Frauenrates war das aktive Engagement in der aktuellen Politik. Inhaltliche Schwerpunkte bildeten unter anderem Frauenarbeit oder auch drohender Arbeitsverlust nach der Rückkehr der Kriegsteilnehmer. Lina Eichmann zog im Frühjahr 1919 für die liberale DDP (Deutsche Demokratische Partei) als erste Frau in die Detmolder Stadtverordnetenversammlung ein. Zwei Jahre später scheiterte sie allerdings am schwachen Wahlergebnis ihrer Partei.
Ihr soziales Engagement spiegelte sich unter anderem in ihrer Vorstandstätigkeit für den 1923 gegründeten Verein der Freunde des Detmolder Frauenheims, der die Petri-Stiftung unterstütze. In dieser Geburtsklinik erfuhren auch sozial schwache Frauen die notwendige Hilfe. Der von Lina Eichmann im Jahr 1930 gegründete und geleitete Jüdische Frauenbund zählte 45 Mitglieder. Noch galt sie in ihrem sozialen, konfessionsübergreifenden Verständnis als allseits beliebte Detmolder Persönlichkeit, bis sie sich in der NS-Diktatur gezwungen sah, ihre Tätigkeit auf die jüdische Gemeinde zu beschränken. Für ihre Wohltätigkeit und ihr soziales Engagement wurde sie in einem Glückwunschschreiben anlässlich ihres siebzigsten Geburtstags durch Moritz Herzberg im Namen der Synagogengemeinde Detmold und des Landesverbandes der Lippischen Synagogen-Gemeinden (s. Dokument 2) mit dem Ehrentitel "Mutter in Israel" (Em Bejisrael) gewürdigt, der auf den ältesten hebräischen Heldengesang, dem Deboralied (im Buch Richter, Kap. 4-5), zurückzuführen ist, in dem Debora als biblische Richterin, Prophetin und Anführerin geehrt wird.
Nach der Zwangsarisierung der Vereinigten Möbelwerke gelang es Lina und Albert Eichmann am 16. September 1939, also wenige Tage nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, Deutschland zu verlassen und in die USA auszuwandern, da ihre Kinder Alfred und Lotte bereits nach New York geflohen und in der Lage waren, ihre Eltern aufzunehmen.
Das Leben im Exil gestaltete sich auch für die Eichmanns schwierig, zumal Lina Eichmann über allenfalls rudimentäre Sprachkenntnisse im Englischen verfügte. Altersbedingt konnten das Ehepaar Eichmann keiner Arbeit mehr nachgehen, versuchten aber, etwa durch die Herstellung von Kandis, den ihr Sohn dann als Vertreter verkaufte, etwas zum Lebensunterhalt beizutragen. Belastet blieb der Alltag in der Fremde vor allem für Lina Eichmann durch Heimweh trotz allen erlebten Unrechts - so dokumentieren es ihre nachgelassenen Briefe. Beraubung, Drangsalierungen im nationalsozialistischen Detmold, die Last des Lebens im Exil, die Angst um die noch in Deutschland Verbliebenen und letztlich der gewaltsame Verlust von Angehörigen und Freunden führten zu schweren gesundheitlichen Problemen.
1946 erhielt Lina Eichmann die amerikanische Staatsbürgerschaft. Vier Jahre später starb sie laut Todesfallanzeige infolge eines Herzanfalls in New York.
Als Albert Eichmann 1951 für einige Zeit nach Detmold zurückkehrte, um die Rückerstattungsansprüche für sein früheres Möbelunternehmen zu klären, sorgte er laut Zeitzeugenbericht durch die Beisetzung der Urne seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof in Detmold für ihre Heimkehr.
QUELLEN : StdA DT MK; LAV NRW OWL D 107/84 Nr. 853, 857, 1077, D 20 B Nr. 3301, 3499, D 1 BEG Nr. 7175; StdA Dortmund
LITERATUR : Mitschke-Buchholz (2013)
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Lina Eichmann, [o.J.], in: Moritz Rülf, Familienstammbaum Eichmann, Detmold 1931, S. XI
DOKUMENTE
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Meldekarte für die Familie Eichmann (StdADT MK)
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Glückwunschschreiben an Lina Eichmann durch Moritz Herzberg, Detmold 04.08.1938 (Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, Heidelberg B1.34 (Lippe) 857)
- Details
23.04.1867 in Waltrop/Recklinghausen - 12.03.1944 im Konzentrationslager Theresienstadt
| Religionszugehörigkeit: | jüdisch |
| Wohnorte: | Von Hannover, Landstr.8 28.09.1939 Detmold, Paulinenstr. 10 22.10.1939 nach Hannover Von Hannover, Georgstr. 48 15.03.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Hirschfeld 01.04.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet 06.06.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 bei Dr. Israel (sic) Hirschfeld 17.06.1941 nach Hannover, Georgstr. 48 abgemeldet Hannover, Josefstr. 22 11.09.1941 Detmold, Paulinenstr. 10 17.09.1941 nach Hannover, Josefstr. 22 abgemeldet Letzte Adresse: Hannover-Ahlem, Wunstorferstr. 1 (eines der sog. Judenhäuser) |
In den Meldeunterlagen der Stadt Detmold wurde vermerkt, dass ihr "Aufenthalt nur besuchsweise" war. Am 24. Juli 1942 wurde Paula Ems mit dem Transport Nr. VIII/1 von Hannover nach Theresienstadt deportiert, wo sie fast 77jährig umkam.
QUELLEN: StdA DT MK; Beit Theresienstadt; Arolsen Archives
- Details
geb. 20.03.1874 in Breslau - 29.09.1942 im Konzentrationslager Theresienstadt
| Religionszugehörigkeit: | zunächst jüdisch, zum Christentum übergetreten |
| Eltern: | Jenny Epstein, geb. Silbermann und Julius Epstein, Kaufmann und Makler |
| Geschwister: | Walter Epstein (geb. 1877) Schwestern |
| Ehefrau: | Hertha Helene Emilie von Eppstein, geb. Reimann (21.08.1879 in Guhrau/Schlesien - 02.08.1937 in Berlin) |
| Tochter: | Ingeborg Hertha Helene von Eppstein (08.03.1909 in Berlin - 07.03.1922 in Berlin) |
| Beruf: | Journalist, Schriftsteller, Chef des Geheimen Kabinetts Leopold IV. zur Lippe |
| Wohnorte: | Breslau 1901 Berlin 05.12.1912 Detmold, Schlossplatz 5 (Pavillon 5) 01.06.1921 mit Familie nach Berlin-Lichterfelde, Potsdamerstr. 32 abgemeldet Berlin, Oranienburgerstr. 31 |
Georg Johannes Friedrich Epstein wurde in Breslau als Sohn jüdischer Eltern geboren, allerdings spielte seine Religionszugehörigkeit offenbar keine entscheidende Rolle. Nach eigenen Angaben besuchte er in seiner Geburtsstadt das Realgymnasium sowie das Johannesgymnasium, legte demnach dort das Abitur ab und studierte in Breslau oder Berlin.Georg Epstein arbeitete in den Jahren 1896/96 als Redakteur bei der "Tilsiter Allgemeinen Zeitung" und gab in diesem Zeitraum einen ersten Gedichtband ("Erste Wanderfahrten", 1896) heraus, dem weitere folgen sollten ("Fallendes Laub", "Else, ein Liederreigen" und "Im Vorübergehen"). Seinen Militärdienst leistete er 1897/98 in Königsberg, bevor er ab 1898 als Feuilleton-Redakteur bei der "Breslauer Frauenzeitung" arbeitete. Im Jahr 1901 siedelte er nach Berlin über, wo er nicht nur Schriftleiter der "Neuen Politischen Correspondenz" tätig war, sondern auch zum Dr. phil. promoviert wurde.
Am 9. März 1901 trat Georg Epstein zum christlichen Glauben über. Seine Taufe fand in der Jerusalemgemeinde in Berlin-Kreuzberg statt. Nur wenige Tage später, am 16. März 1901, heiratete er die nichtjüdische Hertha Reimann aus Guhrau. 1904 wurde er Mitglied des renommierten heraldischen Vereis "Herold" zu Berlin und setzte in den folgenden Jahren seine schriftstellerischen und journalistischen Artbeiten fort. So trat Epstein 1904 nicht nur als Mitherausgeber des "Deutschen Ordens-Almanach" in Erscheinung, sondern knüpfte erste Verbindungen nach Lippe durch sein journalistisches Engagement für die "Biesterfelder Sache" im Rahmen der letzten Phase des Lippischen Thronfolgestreits. 1905 erfolgte die Herausgabe seines Romans "Märchenmenschen". Im Mai 1912 wurde Georg Epstein zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinettmit dem Titel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstlichen Hofmarschallamt" ernannt. Wenige Monate später, im November 1912, zog er mit seiner Frau und seiner 1909 geborenen Tochter Ingeborg nach Detmold, wo er als enger Berater des Fürsten Leopold IV. zur Lippe tätig war. 1913 wurde er Mitglied der Akademie der gemeinnützige Künste zu Erfurt. Während seines Einsatzes im Ersten Weltkriegs erhielt er zahlreiche Orden und Auszeichnungen und wurde entsprechend befördert. Am 25. Oktober 1915 wurde er unter dem Namen "von Eppstein" in den Adelsstand erhoben. Im Januar 1917 folgte die Verleihung des Titels "Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz". Sein gesellschaftlicher Aufstieg veranlasste Neider und Kritiker, ihre antisemitische Grundhaltung deutlich zum Ausdruck zu bringen. Georg von Eppstein wurde am 2. Februar 1917 die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Erlangen verliehen und im selben Jahr der Professoren-Titel durch den lippischen Landesherrn. Am 12. November 1918 wurde Georg von Eppstein in den Freiherrnstand erhoben. Nach der Revolution 1918, die der sehr konservative, kaisertreue und patriotische Eppstein als "militärischen und staatlichen Zusammenbruch" verstand, und dem Thronverzicht Leopolds IV. wurde er im Juni 1921 aus den Fürstlichen Diensten entlassen und zog mit seiner Familie nach Berlin-Lichterfelde, wo er wiederum als freier Schriftsteller tätig war.Trotz seiner Herausgeber- und Autorentätigkeiten (Herausgabe u. a. von Gedichtbänden und Überarbeitung älterer Werke) setzte von Eppstein auch von Berlin aus seine Beratertätigkeit für den ehemaligen lippischen Landesherrn fort und dokumentierte damit die tiefe Verbindung zur fürstlichen Familie, insbesondere zu Leopold IV. Im Jahr 1934 erfolgte die Herausgabe seines letzten Buches "Von Draußen und Drinnen" in der Detmolder Meyerschen Hofbuchhandlung von Max Staercke; zwei Jahre später erschien zusammen mit Staercke eine Biografie über den Prinzen Bernhard zur Lippe.
Der Tod von Eppsteins Frau am 2. August 1937 bedeutete für ihn, der sich nie im Judentum verankert sah und konvertiert war, den Verlust der Privilegien von in sogenannten Mischehe lebenden "Rassejuden", die ihn bis dahin vor antisemitischer Verfolgung einen gewissen Schutz gewährt hatten. Die zunehmenden Repressalien nach dem Novemberpogrom 1938 durch den NS-Staat brachten ihn nicht nur in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten, sondern bedrohten sein Leben. Ein Versuch Leopolds IV. zur Lippe von Eppstein Flucht und Existenz in den Niederlanden durch Hilfe seines Neffen, den Prinzen Bernhard der Niederlande, zu ermöglichen, scheiterte, da dieser die drohenden Gefahren als nicht so dringlich befand. Am 14. März 1941 wurde Georg von Eppstein durch das Reichsinnenministerium nicht nur die Namensänderung, sondern auch die Standeserhöhungen aberkannt, so dass er zwangsweise den Namen Georg Israel Epstein führen musste. Als 1942 seine Deportation drohte, versuchte Leopold IV. zur Lippe nochmals seinen ehemaligen Berater zu retten. Doch auch seine Eingabe vom 12. März 1942 an den Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Hans Heinrich Lammers, einem Jugendfreund Eppsteins, blieb erfolglos. Am 26. Juni 1942 wurde Georg Eppstein, der inzwischen auf einem Auge erblindet war, verhaftet und in das Altenheim der Jüdischen Gemeinde Berlin in der Großen Hamburger Straße 26 verbracht, das zum Sammellager für die zur Deportation bestimmten Juden umfunktioniert worden war.
Am 2. Juli 1942 wurde Georg Epstein mit dem Transport I/14-600 von Berlin nach Theresienstadt deportiert, wo er nach wenigen Wochen umkam. Laut Todesfallanzeige des dortigen Ältestenrates starb er an Herzschwäche. Weitere Quellen nennen "Darminfektion" als offizielle Todesursache.
QUELLEN: LAV NRW OWL D87 Nr. 30, 31, 52; FLA Nr. 155; Bundesarchiv Berlin; Geheimes Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz Berlin; Stiftung "Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum"; OFD Berlin; Brandenburgisches Landeshauptarchiv; Beit Theresienstadt; Arolsen Archives; www.holocaust.cz; Stefan Wiesekopsier (Bad Salzuflen)
WEITERE QUELLEN: Amtsblatt, 30.05.1912: Ernennung des Prof. Dr. phil. Georg Epstein, Leutnant der Reserve im 4. Schlesischen Infanterie-Regiment Nr. 51, Berlin zum Vortragenden Rat im Geheimen Kabinett und Hofmarschallamt mit Diensttitel "Geheimer Kabinettsrat im Fürstl. Hofmarschallamt" durch den Fürsten
Amtsblatt, 18.09.1912: Genehmigung des Fürsten für Prof. Dr. Epstein, z.Zt. Berlin, zur Annahme des Kommandeurkreuzes mit Krone des Königl. Bulgarischen Zivilverdienstordens
Amtsblatt, 19.03.1913: Erlaubnis zur Anlegung des Offizierskreuzes des Herzogl. Ordens Heinrichs des Löwen für Prof. Dr. Epstein
Amtsblatt, 04.06.1913: Verleihung des Ehrenkreuzes 2. Klasse des Fürstl. Lipp. Hausordens an Prof. Dr. Epstein
LZ, 27.02.1915: Detmold. "Der Geheime Kabinettsrat Professor D. Epstein, der als Leutnant und Ordonanzoffizier beim Generalkommando eines Reservearmee-Korps auf dem westlichen Kriegsschauplatz kämpft, hat das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten."
Amtsblatt, 03.03.1915: Verleihung des Lipp. Kriegsverdienstkreuzes an Geh. Kabinettsrat Prof. Dr. Epstein, Leutnant d.R. a.D.
Amtsblatt, 25.09.1915: Verleihung des Fürstl. Lipp. Kreigsehrenkreuzes für heldenmutige Tat an Oberleutnant Epstein, Ordonnanzoffizier beim Generalkommando des VII. Armeekorps
Amtsblatt, 06.11.1915: Ernennung Prof. Dr. Epsteins zum Chef des Geheimen Zivilkabinetts mit dem Rang eines Rates I. Klasse
Amtsblatt, 06.11.1915: Verleihung des erblichen Adels unter dem Namen "von Eppstein" an Prof. Dr. Epstein
LTZ, 06.11.1915: Detmold. "Geheimes Zivilkabinett"
Erblicher Adel für Prof. Dr. Epstein
Fürstl. Lipp. Kalender 240. Jg., 1916 Beilage: "Ehrentafel lippischer Helden"
Oberleutnant a.D. Epstein - Detmold (Biogr.) und Foto
Staatsanzeiger, 13.01.1917: Verleihung des "Charakters als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz" an Prof. Dr. von Eppstein
LTZ, 11.02.1919: Erklärung von Eppsteins gegen ein den Zeitungen beiliegendes Flugblatt bezügl. seiner Tätigkeit als Kabinettschef
LITERATUR: Epstein, Georg (1899); Ders. (1900); Ders. (1917); Ders.(?); Ders. (?); Kittel (1978); Degener Hg (1935); Gotha (1921 u. 1933); Reichold (1977)
Georg von Eppstein, 1919
(StdA DT DT V 19 Nr. 199)
DOKUMENTE
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Einwohnermeldekarte von Georg, Hertha und Ingeborg von Eppstein (StdA DT MK)
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Todesfallanzeige für Georg von Eppstein, Theresienstadt 26.09.1942 (Nationalarchiv Prag HBMa, Inv. Nr. 2956 - digitalisiert von der Theresienstädter Initiative, Prag )

Auszug aus der Korrespondenz zu Georg Eppstein
- Details


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