geb. 23.09.1878 in Duisburg

Religionszu­gehörigkeit jüdisch
Eltern Emmy Steinberg, geb. Schönfeld (05.12.1854 in Sandersleben/Anhalt - 17.10.1923 in Duisburg) und Hugo Steinberg (18.12.1852 in Dortmund - 24.07.1933 in Duisburg), Kaufleute, Inhaber eines Hut- und Schirmgeschäfts
Geschwister Else Steinberg, Verkäuferin, Geschäftsinhaberin des elterlichen Betriebs (31.10.1876 in Hannover - 15.02.1944 in Theresienstadt)
Kurt Steinberg, Kaufmann und Transportunternehmer (25.08.1879 in Duisburg - 17.08.1955 in Bad Nauheim)
Käthe Steinberg, Verkäuferin im elterlichen Geschäft (13.01.1881 in Duisburg - 30.03.1942 in Riga)
Henriette (Henny) Steinberg (12.01.1882 in Duisburg - 08.05.1945, für tot erklärt)
Dr. Walter Steinberg, Arzt (geb. 08.06.1889 in Duisburg)
Ehefrau Rosa Steinberg, geb. Steinberg (geb. 18.10.1878 in Hörde/Dortmund)
Sohn Karl Steinberg (30.03.1913 in Duisburg - 08.05.1945, für tot erklärt)
Beruf Kaufmann

Wohnorte: Duisburg, [Poststr. 19]
vor 27.10.1898 Detmold, Orbker Str. 3 bei Examus
Zielenzig, Kreis Oststernberg (heute Polen)
12.12.1902 Pirmasens, Gasstr. 11
Oktober 1903 Königssteele/Westf.
1912 Duisburg, Pulverweg 40
1939 Duisburg, Poststr. 19

 

Hermann Steinberg lebte bis 1898 in Detmold, wo er als Volontär im Getreidehandel der Familie Examus tätig war und auch dort im Hause wohnte. In Pirmasens, einem seiner späteren Wohnorte, war er als Kaufmann bei Louis Friedenreich beschäftigt. Am 16. Juni 1912 heiratete er Rosa Steinberg. Ihr gemeinsamer Sohn Karl wurde im folgenden Jahr geboren. Als ihren Lebensmittelpunkt wählten sie Duisburg.
Hermann Steinberg war Soldat im Ersten Weltkrieg und Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) sowie im Israelitischen Männerverein Chewra.

Im Oktober 1937 wurde er wegen des Verdachts auf "Verstoß gegen das Blutschutzgesetz"1 denunziert. Das Ehepaar Steinberg hatte einer nichtjüdischen Frau, der durch die Gestapo ein "unsteter" Lebenswandel unterstellt wurde, ein Zimmer vermietet. Die Wohnung wurde durchsucht, und Hermann Steinberg wurde von der Gestapo verhört. Da letztlich keine strafbare Handlung nachgewiesen werden konnte, erfolgten keine weiteren Sanktionen. Allerdings wurden auch bei Hermann Steinbergs Brüdern Walter und Kurt Ermittlungen durchgeführt, die den Einzug von deren Vermögen zur Folge hatten.

Am 11. Dezember 1941 wurde Hermann Steinberg zusammen mit seiner Frau Rosa, seinem Sohn Karl und seiner Schwiegertochter Gerda nach Riga deportiert. Dort kam er laut Angaben von Yad Vashem zwei Monate nach seiner Ankunft, am 16. Februar 1942, um. In weiteren Quellen wird er als verschollen angegeben.

Das Schicksal von Rosa Steinberg bleibt bislang ungeklärt.

Sein Sohn Karl Steinberg, der Angestellter bei der Firma Gebr. Alsberg2 war, wurde am 8. August 1944 aus Riga in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und von dort am 16. August 1944 nach Buchenwald. Am 8. September 1944 wurde er zum Kommando Tröglitz-Rehmsdorf überstellt. Weiteres zu seinem Lebensweg ist nicht dokumentiert. Karl Steinberg wurde für tot erklärt. Als amtliches Datum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt. Seine Frau Gerda, geb. Leeser überlebte und wanderte 1948 in die USA aus.


Hermann Steinbergs Schwester Else starb in Theresienstadt. Seine Schwester Käthe kam wenige Woche nach ihm ebenfalls in Riga, vermutlich am 30. März 1942, um. Das Schicksal seiner Schwester Henriette bleibt bislang ungeklärt. Sie wanderte im Oktober 1939 nach Belgien aus. Einer Quelle zufolge, wurde sie in Frankreich für tot erklärt. Als offizielles Todesdatum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt. In weiteren Quellen wird hingegen angegeben, sie sei in Auschwitz umgekommen und gelte als verschollen.

Sein Bruder Kurt war vom 14. Juni 1938 bis Februar 1939 in Sachsenhausen inhaftiert und musste nach seiner Rückkehr nach Duisburg Zwangsarbeit leisten. Seine Auswanderungspläne nach Shanghai konnte er aufgrund des Kriegsbeginns nicht in die Tat umsetzen. Am 24. Juni 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und kehrte im Juli 1945 zurück nach Duisburg.

Sein Bruder Walter wanderte im April 1936 in die UdSSR aus, wo er ein Jahr später, im Oktober 1937 wegen Spionageverdacht verhaftet wurde. Seine nichtjüdische Ehefrau Frieda, geb. Kornteffel kehrte 1938 nach Brandenburg/Havel zurück.

1 Das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" vom 15. September 1935 (RGBl. I S. 1146; auch "Blutschutzgesetz" genannt) war Teil der Nürnberger Rassengesetze.
2 In Detmold befand sich eine Filiale der Firma Alsberg in der Bruchstraße 18-20. S. Mitschke-Buchholz (2020).

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW Rheinland RW 58; StdA Pirmasens; StdA Duisburg; www.yadvashem.org; Arolsen Archives

LITERATUR: Roden, von und Vogedes (1986)

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für Hermann Steinberg in Detmold (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Deportationsliste der Gestapo Düsseldorf, o. D. (1.2.1.1-11199025-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

 

Dokument 3

Deportationsliste der Gestapo Düsseldorf, o. D. (1.2.1.1-11199070-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

   

Eine Internetseite der

 

www.GfCJZ-Lippe.de 

 

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lippe e. V.

Haus Münsterberg
Hornsche Str. 38

32756 Detmold

Tel.: +49 5231 29758

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Homepage: www.GfCJZ-Lippe.de

 

 

   
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