H_Biographien

geb. 21.08.1888 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Ehemann: Sigmund Heineberg (geb. 11.04.1877 in Brakel)
Tochter: Lotte Heineberg (geb. 05.08.1916 in Holzminden)
Beruf: "Witwe"

 

Wohnorte: Detmold, Lange Str. 39
Holzminden
Hannover:
14.12.1936 Wittekamp 56
05.04.1939 Adolf Hitlerplatz 7
01.02.1940 Wissmannstr. 13
04.09.1941 Auf dem Emmerberge 31
15.12.1941 Riga, "abgesch. amtl."

 

Gretchen Heinberg verbinden ihre ersten Lebensjahre mit Detmold. Am 15. Dezember 1941 wurde sie aus dem sog. Judenhaus Auf dem Emmerberge in Hannover von der Sammelstelle Ahlem nach Riga deportiert.

 

Gretchen Heineberg wurde 1950 durch das Amtsgericht Hannover für tot erklärt. Als amtliches Todesdatum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt.

   

QUELLEN: LAV NRW OWL D 20 A Nr. 10146, 10458, D 20 B Nr. 3203; Deutsch Israelische Gesellschaft Hannover; StdA Hannover

LITERATUR: Buchholz (1987)

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Magarete (Grete) und Lotte Heineberg (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte von Gretchen Heineberg (StdA Hannover)

 

06.04.1897 in Münster - 21.04.1944 Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus, Lemgo-Brake

Religionszu-gehörigkeit: evangelisch
Eltern: Helene Stellbrink, geb. Kirchhoff (geb. 04.06.1862 in Hagen) und Carl Stellbrink (16.08.1855 - 08.05.1930), Oberzollsekretär
Geschwister: Helene Stellbrink (geb. 16.03.1892 in Münster)
Karl Friedrich Stellbrink (28.10.1894 in Münster - 10.11.1943 in Hamburg hingerichtet)
Magdalene Brinkmann, geb. Stellbrink (geb. 24.09.1902 in Detmold)
Ehemann: Hugo Heiss, Bergmann aus Langendreer
Kinder: Ewald Heiss (geb. 02.06.1920 in Langendreer)
Hugo Heiss (geb. 1923)
Meta Heiss (26.02.1925 in Detmold -25.10.1925 in Detmold)

 

Wohnorte: 15.08.1902 Hiddeser Str. 5 bei den Eltern
02.03.1916 Halberstadt
01.09.1916 Detmold, Hubertusstr. 10 bei den Eltern
12.04.1917 Potsdam
20.11.1917 Detmold, Hubertusstr. 10
01.09.1919 Langendreer
05.10.1920 Detmold, Hubertusstr. 10 bei den Eltern
25.10.1920 Langendreer
Bielefeld, Spindelstr. 7
14.05.1926 Detmold, Hubertusstr. 10 bei den Eltern
10.06.1926 Anstalt Lindenhaus bei Lemgo
17.09.1927 Remmighausen Bahnhof
15.11.1927 "soll sich im Krankenhaus Bielefeld aufhalten"
05.01.1928 Detmold, Obere Str. 19 bei Addicke
04.01.1928 Detmold, Friedrichstr. 16 bei Gröne
09.07.1928 "soll sich in der Provinzial-Heilanstanstalt Münster befinden"
30.07.1928 "jetzt in der Heilanstalt Lengerich"

 

Durch eine schwere Erkrankung wurde Irmgard Stellbrink erst mit acht Jahren eingeschult. In Detmold besuchte sie das Lyzeum, das sie trotz guter Leistungen 1915 abbrach. Eine Verlobung löste sie bereits nach kurzer Zeit. 1916 begann sie auf Wunsch ihrer Mutter eine Ausbildung am Lehrerinnenseminar, doch auch dies brach sie vorzeitig ab. Es folgten verschiedene Versuche, ihr Leben selbstständig zu gestalten und das Elternhaus zu verlassen. In Halberstadt erlernte sie in einer Familie die Haushaltführung, und im April 1917 arbeitete Irmgard Stellbrink als Erzieherin in Potsdam wiederum in einer Familie. Für kurze Zeit arbeitete sie in Berlin in weiteren Privatstellen und auch im Postscheckamt. Im November 1917, nun wiederum in Detmold, besuchte sie abermals auf Wunsch ihrer Mutter die Handelsschule. Auch dies brach sie vorzeitig ab. 1919 heiratete sie den Bergarbeiter Hugo Heiss, was den sozialen Vorstellungen ihrer Eltern widersprach, und zog mit ihm nach Langendreer, wo auch ihre beiden Söhne geboren wurden. Da Hugo Heiss zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, zog sie 1925 zurück zu ihren Eltern und brachte in Detmold ihre Tochter Meta zur Welt. Irmgard Heiss erkrankte nach der Geburt psychisch und wurde auf behördliche Anordnung im Mai 1925 in die Lippische Heil- und Pflegeanstalt Lindenhaus in Brake eingewiesen. Ihre Tochter wurde in einer Pflegeeinrichtung in Bethel untergebracht. Hier starb sie im Alter von acht Monaten im Oktober 1925.

Irmgard Heiss bat vergeblich nach ihrer Entlassung aus dem Lindenhaus um Aufnahme bei ihren Eltern, was diese jedoch als unzumutbar ablehnten. Ihre Versuche, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, scheiterten. Ihre Kinder wurden in Bielefeld in Pflegefamilien untergebracht. Anfang 1926 wurde sie wiederum auf behördliche Anordnung erneut im Lindenhaus eingeliefert, und wiederholt insistierten ihre Eltern auf ihre dauerhafte Unterbringung in einer Anstalt. Zudem leitete sie für ihre Tochter ein Scheidungsverfahren ein, dem Irmgard Heiss nicht widersprach. Im selben Jahr wurde sie in eine Anstalt nach Gütersloh verlegt, aus der sie allerdings floh. Unter dem falschem Namen Anni Bentheim schlug sie sich mit Fabrikarbeiten an unterschiedlichen Orten durch. 1928 wurde sie in Münster wegen Verhaltensauffälligkeiten und einer schlechten gesundheitlichen Verfassung von der Polizei in Gewahrsam genommen und in ein Krankenhaus gebracht, wo sie einen Suizidversuch unternahm. Daraufhin wurde sie in die psychiatrische Einrichtung Marienthal eingewiesen, danach in eine psychiatrische Anstalt nach Warstein. 1929 leiteten ihre Eltern ein Entmündigungsverfahren ein. Ihre ältere Schwester Helene wurde als ihr Vormund bestellt. Die Ehe mit Hugo Heiss wurde 1930 geschieden. Dessen Bemühungen, das Sorgerecht für seine Kinder zu bekommen, wurden von Irmgards Eltern angefochten. Stattdessen nahm ihr Bruder Karl Friedrich mit seiner Frau die Kinder als Pflegeeltern in der eigenen Familie auf.

Irmgard Heiss blieb zehn weitere Jahre als Patientin in Lengerich. 1938 meldete die dortige Einrichtung sie auf Anfrage des Kreisarztes in Münster als "fortpflanzungsfähig" und "fortpflanzungsgefährlich". Zu einer Zwangssterilisierung kam es allerdings nicht mehr. 1941 wurde Irmgard Heiss mit einem Sonderzug gemeinsam mit witeren Langzeitpatienten in die Anstalt Weilmünster in Hessen verlegt. Drei Jahre später, 1944, verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand dramatisch. Ihre Schwestern Hilda und Helene holten die dem Hungertod nahe Irmgard Heiss auf eigene Verantwortung nach Detmold. Die Pflege überforderte sie jedoch, und so brachte Helene ihre Schwester Irmgard am 21. April 1944 wiederum ins Lindenhaus, wo bald darauf eine Lungentuberkulose diagnostiziert wurde, die vermutich als Folge der Behandlung in der Anstalt Weilmünster zu bewerten ist. Irmgard Heiss starb im Lindenhaus an dieser Tuberkulose und an mangelnder bzw. unterlassener medizinischer Versorgung.

Ihr Sterben und auch ihr Tod wurden durch rasseideologisch motivierte medizinische Unterversorgung, sowie durch mangelnde Lebens- und Ernährungsbedingungen für psychisch Kranke und Behinderte billigend in Kauf genommen.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL L 107 D Nr. 1893; Andreas Ruppert (Paderborn); Barbara Stellbrink-Kesy (Berlin)
LITERATUR: Stellbrink-Kesy (2020)

 

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Portrait: HEISS, Irmgard, geb. Stellbrink

Irmgard Heiss, um 1920 (Sammlung Barbara Stellbrink-Kesy)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Irmgard, Ewald und Meta Heiss (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Postkarten von Irmgard Heiss aus Weilmünster, 1.1.1942. (Sammlung Barbara Stellbrink-Kesy)

 

geb. 16.10.1885 in Marienborn/Siegen

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Samuel Frank und Emilie Esther Frank, geb. Steinberg
Geschwister: Paula Karseboom, geb. Frank
Toni Jardeni-Sackheim, geb. Frank
Hugo Frank
Ehemann: Moritz Herzberg
Kinder: Fritz, später Fred Herzberg (11.06.1921-31.01.2008)
Gerda Herzberg
Beruf: Einkäuferin, Geschäftsinhaberin

 

Wohnorte: [1919-1931] Detmold, Lange Str. 71
Wuppertal-Elberfeld, Königstr. 13a
Detmold:
01.08.1932 Moltkestr. 25 bei Otto
02.01.1934 mit Familie Bahnhofstr. 3 bei Sinalko [sic]
01.10.1936 Sachsenstr. 25 bei Buchholz
10.01.1941 mit Familie Hornsche Str. 33
"ohne Abmeldung verzogen"

 

Johanna Frank absolvierte eine Lehre im Bereich der Damenkonfektion und war Einkäuferin und Abteilungsleiterin im Warenhaus-Konzern Alsberg. Am 11. September 1918 heiratete sie Moritz Herzberg in Elberfeld. 1919 übernahmen sie das renommierte Konfektionsgeschäft J.A. Erda in der Langen Straße 71 in Detmold. Johanna Herzberg erhielt Prokura. In ihrer Familie lebte auch ihre Mutter Emilie Frank. Die Familie zog 1931 aus nicht dokumentierten Gründen nach Elberfeld, um dort in die Kartonagefabrik ihres Bruders Hugo Frank einzutreten, kehrte aber im August 1932 nach Detmold zurück. Im selben Jahr, am 8. September 1932, meldete sie zusammen mit Elisabeth Böke das Gewerbe "Damenschneiderei" an und am 5. Mai 1933 den "Verkauf von fertiger Damenkonfektion". Ihre Wohnräume und auch das Etagengeschäft befanden sich in der Moltkestraße 25. Moritz Herzberg übernahm hier nun die Buchhaltung und führte die Gewerbebücher. Im Juli 1933 schied Elisabeth Böke aus. Bis Ende 1938 betrieb Johanna im verkleinerten Umfang das Geschäft weiter und musste sich auf den rapide schrumpfenden jüdischen Markt beschränken. Auch ihr wurde die Weiterführung ihres Betriebes zum Ende des Jahres 1938 verboten. Mit ihrer Familie lebte sie in der Sachsenstraße 25, das 1939 zum "Judenhaus" erklärt wurde. Dort und auch in der Hornschen Straße 33, einem weiteren sog. Judenhaus, nahmen sie auswärtige Mädchen, die in der jüdischen Schule unterrichtet wurden, als Pensionseltern auf.

Um ihre Auswanderung zu ermöglichen, schickten Johanna und Moritz Herzberg ihren Sohn Fritz mit einem Kindertransport nach England. Dort sollte er entsprechende Vorbereitungen treffen, um die Familie nachholen zu können. Alle ihre Fluchtvorhaben scheiterten.

Am 28. Juli 1942 wurde Johanna Herzberg zusammen mit ihrem Mann, ihrer Tochter Gerda und ihrer Mutter mit dem Transport Nr. XI/1-171 nach Theresienstadt verschleppt. Am 9. Oktober 1944 wurde sie von dort mit dem Transport Ep-872 nach Auschwitz deportiert und gehörte damit zu einem Transport, den nur sehr wenige Menschen überlebten.

Johanna Herzberg wurde für tot erklärt. Das amtliche Todesdatum wurde auf den 8. Mai 1945 festgesetzt.

 

Ihr Sohn Fritz, später Fred, überlebte als Einziger. Er emigrierte 1947 in die USA.

Bis zu seinem Tod im Jahre 2008 lebte er in St. Louis.

   

 

QUELLEN: StdA DT MK, D 106 S Nr. 16190; LAV NRW OWL D1 Nr. 6141, D 103 Nr. 749, 750, 764, L 113 Nr. 849; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 749, 750, 764, 961; LATh-HStA Weimar; Beit Theresienstadt; ZA B 1/34 Nr. 844; Fred und Joanne Herzberg (USA); Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: Staatsanzeiger, 21.05.1919: HR (A 8), AG DT
Fa. J.A. Erda
Übergang auf Moritz Herzberg; Prokura Ehefrau Johanna
LZ, 13.06.1921: Geburtsanzeige eines Sohnes durch Moritz Herzberg und Frau Johanna
Korrespondenz Fred Herzberg, GfCJZ Lippe

LITERATUR: Mitschke-Buchholz (2013)

 

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Portrait: HERZBERG, Johanna, geb. Frank

Johanna Herzberg, [1938] (Sammlung Joanne Herzberg)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Moritz, Johanna, Fritz und Gerda Herzberg (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Mitteilung von Johanna Herzberg an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 30.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Dokument 3

Auszug aus der Korrespondenz zu Johanna Herzberg

 

Rufname: Gerda

geb. 27.09.1922 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Moritz Herzberg und Johanna Herzberg, geb. Frank
Bruder: Fritz, später Fred Herzberg (10.06.1921 - 31.01.2008)
Großmutter: Emilie Frank
Beruf: Haushaltslehrling

 

Wohnorte: [1919-1931] Detmold, Lange Str. 71
Detmold, Sachsenstr. 25 bei den Eltern
05.07.1935 nach W. Elberfeld, Bankstr. 24 abgemeldet
01.01.1938 Detmold, Sachsenstr. 25 bei den Eltern
10.08.1938 Berlin-Weißensee Jüdisches Taubstummenheim 
von Gr. Krotzenburg, [Kirchstr. 3]
04.12.1938 Detmold, Sachsenstr. 25 bei den Eltern
03.02.1941 nach Unna, Düppelstr.7
von Unna, Düppelstr. 7
Detmold:
06.12.1941 Sachsenstr. 25 I bei den Eltern
10.01.1942 Hornsche Str. 33

 

Durch eine schwere Erkrankung in ihren ersten Lebensjahren war Gerda Herzberg hör- und entwicklungsgeschädigt und stärker in die Obhut ihrer Eltern genommen als ihr älterer Bruder Fritz.

Ostern 1937 schloss sie die Volksschule ab und absolvierte eine Ausbildung als kaufmännische Angestellte und als Krankenschwester. Eine kontinuierliche Berufsausbildung war nicht mehr möglich und war zudem durch ihre gesundheitliche Beeinträchtigung erschwert. 1938 verbrachte sie vermutlich probeweise fünf Tage beim "Verein der Taubstummen ‚Jedide Jimim'" in Berlin. Ihr Bruder Fritz gelangte im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England. Von seinem Exil aus sollte er die zurückgebliebene Familie nachholen, was ihm nicht gelingen konnte. Der Plan, auch Gerda mit einem Kindertransport außer Landes zu bringen, ließ sich ebenfalls nicht in die Tat umsetzen, da sie die zum fraglichen Zeitpunkt gültige Altersgrenze überschritten hatte. Sie arbeitete 1941 in Unna im "Israelitische Altersheim für Westfalen". Dieses wurde am 28. Juli 1942 aufgelöst, seine 68 Bewohner und Bewohnerinnen wurden nach Theresienstadt deportiert.

Die Fluchtvorhaben der Familie Herzberg wurden mit dem generellen Auswanderungsverbot für Juden vom Oktober 1941 zunichte gemacht.

Zusammen mit ihren Eltern und ihrer Großmutter wurde Gerda Herzberg am 28. Juli 1942 mit dem Transport Nr. XI/1172 nach Theresienstadt verschleppt. Mit ihrer Mutter wurde sie am 9. Oktober 1944 mit dem Transport Ep-873 von dort nach Auschwitz deportiert. Gerda Herzberg wurde für tot erklärt.

 

Ihr Bruder Fritz, später Fred, überlebte und emigrierte in die USA, wo er 2008 in St. Louis starb.

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D1 Nr. 6141, D 103 Nr. 749, 750, 764, L 113 Nr. 849; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 750, 764, 961; LATh-HStA Weimar; StdA Unna; Beit Theresienstadt; ZA B 1/34 Nr. 781, 857; Fred und Joanne Herzberg (USA); Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: Staatsanzeiger, 21.05.1919: HR (A 8), AG DT
Fa. J.A. Erda
Übergang auf Moritz Herzberg; Prokura Ehefrau Johanna
LZ, 13.06.1921: Geburtsanzeige eines Sohnes durch Moritz Herzberg und Frau Johanna
Korrespondenz Fred Herzberg, CJG Lippe

LITERATUR: Mitschke-Buchholz (2013)

 

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Portrait: HERZBERG, Betty Gerda

Gerda Herzberg, [1938] (Sammlung Joanne Herzberg)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Moritz, Johanna, Fritz und Gerda Herzberg (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte von Gerda Herzberg (StdA DT MK)

 

Dokument 3

Mitteilung von Gerda Herzberg an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 30.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Dokument 4

Auszug aus der Korrespondenz zu Gerda Herzberg

 

08.12.1880 in Kleinenmarpe - 05.01.1944 im Konzentrationslager Theresienstadt

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Salomon Herzberg (27.01.1847 in Kleinenmarpe - 16.03.1907 in Kleinenmarpe), und
Geschwister: Ella Pinto, geb. Herzberg
Clara Herzberg
Ida Herzberg
Alfred Herzberg
Thekla Isenberg, geb. Herzberg
Selma Werthauer, geb. Herzberg
Henny Stern, geb. Herzberg
Gertrud Lorch, geb. Herzberg
Hugo Herzberg
Ehefrau: Johanna Herzberg, geb. Frank
Kinder: Fritz (Fred) Herzberg (11.06.1921 - 31.01.2008)
Gerda Herzberg
Beruf: Kaufmann

 

Wohnorte: [1919-1931] Detmold, Lange Str. 71
Wuppertal-Elberfeld, Königstr. 13a
Detmold:
01.08.1932 Moltkestr. 25 bei Otto
02.01.1934 mit Familie Bahnhofstr. 3 bei Sinalko [sic]
01.10.1936 Sachsenstr. 25 bei Buchholz
10.01.1941 mit Familie Hornsche Str. 33
"ohne Abmeldung verzogen"

Auf der Einwohnermeldekarte der Stadt Detmold findet sich der Vermerk "Beide Großelternteile waren Volljuden".

 

Moritz Herzberg absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und war, wie seine Brüder auch, Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg arbeitete er als Kaufmann in Warenhäusern in Essen und Darmstadt. Am 11. September 1918 heiratete er Johanna Frank in Elberfeld.

Am 13. Mai 1919 übernahm er das renommierte Konfektionsgeschäft J. A. Erda in der Langen Straße 71 in Detmold. Seine Frau Johanna erhielt Prokura. Laut Aussage seines Sohnes Fred Herzberg waren dort durchschnittlich fünfzehn Schneiderinnen beschäftigt. Dieser Betrieb wurde am 1. Februar 1931 abgemeldet. Die Familie zog 1931 aus nicht dokumentierten Gründen nach Elberfeld, um dort in die Kartonagefabrik seines Schwagers Hugo Frank einzutreten, kehrte aber im August 1932 nach Detmold zurück. Moritz Herzberg arbeitete nun seit dem 12. oktober 1932 als Vertreter für die in Elberfeld ansässige Trikotagen und Wollwarengroßhandlung "Karseboom & Co" seines Schwagers Norbert Karseboom und übernahm zudem die Buchhaltung im Geschäft seiner Frau. Er engagierte sich in verschiedenen Gremien des Detmolder jüdischen Gemeinde- und Vereinslebens: So war er Vorsitzender des Jüdischen Wohltätigkeitsvereins und Mitglied der Gemeinde-Repräsentanz und des Vorstandes der Synagogengemeinde, er war Vorsitzender des Landesverbandes der Synagogengemeinden in Lippe und war Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde in Detmold. Zusammen mit seiner Frau war er Mitglied des jüdischen Kulturbundes, ebenso im Israelitischen Wohltätigkeitsverein, war Geschäftsführer des Kuratoriums der Salomon-Joel Herford'schen milden Stiftungen Detmold und war auch als Mitglied im Verein jüdischer Autobesitzer verzeichnet. Ab 1937 war Moritz Herzberg stellvertretender Vorsitzender der Detmolder Bezirksstelle der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, deren Vorsitz Eduard Kauders übernahm.

Auch Moritz Herzberg wurde während des November-Pogroms in "Schutzhaft" genommen und in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Nach seiner Entlassung am 12. Dezember 1938 versuchte er, mit seiner Familie und seiner Schwiegermutter Emilie Frank Deutschland zu verlassen. Sein Gewerbe als Vertreter wurde am 4. Januar 1939 mit Wirkung bereits vom 30. Septmber 1938 abgemeldet. Somit gab es auch für ihn keine berufliche Grundlage mehr. Seinen Sohn Fritz schickte er im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England, um der Familie den Weg in die Flucht zu ebnen. Keiner der zahlreichen Auswanderungsversuche konnte jedoch in die Tat umgesetzt werden. Zusammen mit seiner Familie wurde Moritz Herzberg in das sog. Judenhaus in der Hornschen Straße 33 eingewiesen, nachdem sie bereits in der Sachsenstraße 25 in einem weiteren Detmolder "Judenhaus" gelebt hatten.

Am 28. Juli 1942 wurde Moritz Herzberg mit dem Transport XI/1-170 zusammen mit seiner Frau, seiner Tochter und seiner Schwiegermutter über Bielefeld nach Theresienstadt deportiert, wo er umkam.

 

Sein Sohn Fritz, später Fred, überlebte als Einziger. Er emigrierte 1947 in die USA.

Bis zu seinem Tod im Jahre 2008 lebte er in St. Louis.

   

QUELLEN: StdA DT MK, D 106 A Nr. 16190; LAV NRW OWL D1 Nr. 6141, D 103 Nr. 749, 750, 764, L 113 Nr. 849; KAL K2 Detmold/Lemgo BEG Nr. 749, 750, 764, 961; LATh-HStA Weimar; Beit Theresienstadt; ZA B 1/34 Nr. 847, 853, 856, 857, 1077; Fred und Joanne Herzberg (USA); Arolsen Archives

WEITERE QUELLEN: Staatsanzeiger, 21.05.1919: HR (A 8), AG DT
Fa. J.A. Erda
Übergang auf Moritz Herzberg; Prokura Ehefrau Johanna
LZ, 13.06.1921: Geburtsanzeige eines Sohnes durch Moritz Herzberg und Frau Johanna
Korrespondenz Fred Herzberg GfCJZ Lippe

LITERATUR: Mitschke-Buchholz (2013)

 

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Portrait: HERZBERG, Moritz

Moritz Herzberg, [1938] (Sammlung Joanne Herzberg)

 

DOKUMENTE

 

Dokument 1

Einwohnermeldekarte von Moritz, Johanna, Fritz und Gerda Herzberg (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Mitteilung von Moritz Herzberg an die Polizeiliche Meldebehörde Detmold betr. der amtlich geforderten Namensänderung, 30.12.1938 (StdA DT D 106 Detmold A Nr. 3942)

 

Dokument 3

Geldkarte aus dem KZ Buchenwald von Moritz Herzberg

 

   
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