03.03.1854 in Horn (heute: Horn-Bad Meinberg) – 22.01.1939 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Jeanette Hirschfeld, geb. Jacobsberg (gest. 19.10.1899) und Abraham Hirschfeld (gest. 12.10.1864), Händler
Schwester: Julie Hirschfeld (29.09.1856 in Horn - 10.11.1938 in Detmold)
Ehefrau: Elise Hirschfeld, geb. Klarenmeyer (10.12.1853 in Wöbbel - 09.11.1918)
Kinder: Albert Hirschfeld, Margarethe Eichenberg, geb. Hirschfeld (01.11.1888 in Horn - 14.05.1943 in Sobibor)
Enkel: Werner Eichenberg (28.03.1922 in Düsseldorf - 10.09.1942 in Auschwitz)
Beruf: Kaufmann

 

Wohnorte: Horn, Nordstr. 241, (11)
21.12.1938 Detmold, Paulinenstr. 10 (bei Albert Hirschfeld)

 

Jacob Hirschfeld stammte aus Horn (heute: Horn-Bad Meinberg) und heiratete am 22. Juni 1882 Elise Klarenmeyer aus Wöbbel. Mit ihr hatte er zwei Kinder.

Zusammen mit seiner Schwester Julie betrieb der seit 1918 verwitwete Jacob Hirschfeld ein Kolonialwarengeschäft in der Nordstraße, wo beide auch wohnten.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten und plünderten SA-Männer ihre Wohn- und Geschäftsräume. Die 82-jährige Julie Hirschfeld stürzte während der Ausschreitungen die Treppe hinunter und erlag im Detmolder Landeskrankenhaus noch in derselben Nacht ihren Verletzungen. Laut Zeugenaussagen sei sie gestoßen worden. Im Bericht der Gendarmerie-Abteilung Detmold über die Ausschreitungen an die Gestapo Detmold vom 18. November 1938 hieß es hingegen, dass Julie Hirschfeld "wahrscheinlich zu Fall gekommen", mit dem Kopf auf die Fliesen des Flurs geschlagen sei und einen hohen Blutverlust erlitten habe. "Es liegt somit ein Unglücksfall vor. Misshandelt ist niemand".1
Nach diesem Überfall, der Verwüstung seines Hauses und Beschlagnahmung seines Geschäftes und vor allem nach dem gewaltsamen Tod seiner Schwester, den er hatte miterleben müssen, zog Jacob Hirschfeld zu seinem Sohn Albert und dessen Frau Leonie nach Detmold. Dort starb er nur kurze Zeit später. Als offizielle Todesursache wurde Herzschlag angegeben. Es ist davon auszugehen, dass Jacob Hirschfeld infolge der Gewaltexzesse starb.

Jacob Hirschfeld wurde als letzter Verstorbener auf dem jüdischen Friedhof in Horn beigesetzt.

Seine Tochter Margarethe (Grete) war mit dem Kaufmann Harry Eichenberg (geb. 21.01.1881 in Adelebsen) verheiratet und lebte mit ihm Düsseldorf, wo auch ihr Sohn Werner, der später den Beruf des Gärtners erlernte, am 28. März 1922 geboren wurden. Die Familie floh am 14. Mai 1938 in die Niederlande. Werner Eichenberg wurde am 20. August 1942 in Westerbork interniert. Von dort wurde er nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am 10. September 1942 ermordet. Er wurde für tot erklärt.

Dessen Eltern waren vom 6. bis zum 11. Mai 1943 ebenfalls in Westerbork interniert. Von dort wurden beide in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Auf diesem Transport befanden sich 1446 Menschen. Nur einer von ihnen überlebte den Völkermord. Margarethe und Harry Eichenberg wurden am 14. Mai 1943 in Sobibor ermordet. Auch sie wurden für tot erklärt.

1 LAV NRW OWL M 1 IP Nr. 1106. Ihr zu Ehren wurde die Bücherei in Horn-Bad Meinberg "Stadtbücherei Julie Hirschfeld" benannt.

   

QUELLEN: StdA DT MK; StdA DT Da Standesamt Nr. 371; KA Lippe Personenstandsregister Nr. 31.8/1, 31/8.2, 357/12, 362/38; Gedenkstätte und Museum Auschwitz; Joods Monument; Arolsen Archives

LITERATUR: Buchner (1997)

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Sterbeeintrag für Jacob Hirchfeld (StdA DT Da Standesamt Nr. 371)

   
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