T_Biographien

Rufname: Erna

geb. 23.06.1894 in Lage

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Therese Steinheim, geb. Moseska und Theodor Steinheim
Geschwister: Josef Kurt Steinheim, Schauspieler (20.12.1889 in Hainichen - 29.01.1918, gefallen)
Hanna Gretchen (später Grace) Stern, geb. Steinheim, Büroangestellte (12.02.1891 in Freiberg - 05.02.1977 in Long Island, USA)
Erich Albert Steinheim, Kaufmann (geb. 24.04.1892 in Freiberg)
Martin Steinheim, Dekorateur ( geb. 10.09.1895 in Detmold)
Hans Steinheim (geb. 06.01.1897 in Frankfurt/m.)
Elisabeth Gertrud Alma Morgenstern, geb. Steinheim (geb. 15.09.1898 in Frankfurt/M.)
Walther Maximilian Steinheim (geb. 05.03.1904 in Frankfurt/M.)
Ehemann: Wilhelm (Willy) Treitel (24.07.1893 in Neutrebbin - 10.10.1942 im Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt)
Sohn: Kurt Gert Treitel (geb. 13.02.1922 in Frankfurt/Main)
Beruf: "Haushalt" (lt. Meldekartei)

 

Wohnorte: Lage, Heidensche Str. 6
03.10.1894 Detmold, Lagesche Str. 36 bei Baumeister
Frankfurt/Main:
22.09.1896 Kronprinzenstr. 38 aus Essen
[01.10.1899 Kronprinzenstr. 28]
[01.04.1904 Scharnhorststr. 12]
[23.03.1909 Ruprechtsr. 6]
23.07.1921 - 17.03.1922 Aachen
[...]
Frankfurt/Main:
01.06.1921 Brüder-Grimmstr. 39
18.02.1939 Unterweg 20 E

 

Erna Steinheim, verh. Treitel, lebte mit ihrer Familie für einige Zeit in Detmold, bevor sie - bedingt durch den Beruf des Vaters - zusammen nach Frankfurt am Main zogen. Hier lebte sie bis zu ihrer Deportation.

Sie heiratete vermutlich etwa 1921 Wilhelm (Willy) Treitel aus Neutrebbin, der als kaufmännischer Angestellter tätig war. Erna Treitel war laut den Angaben ihrer Meldekarte im Haushalt tätig.1922 wurde ihr Sohn Kurt geboren.

Erna und Willy Treitel mussten sich für die von der Gestapo als "Wohnsitzverlegung von Juden aus Frankfurt"1 bezeichnete neunte Deportation (Transport XII/3 Nr. 1270 und 1271) aus Frankfurt/Main vom 15. September 1942 in dem früheren Jüdischen Altersheim im Rechneigraben 18-20 einfinden. Aus diesem Sammellager wurden die Menschen nach zahlreichen Schikanen mit Lastwagen unter Beschimpfungen von Umstehenden zum Ostflügel der Großmarkthalle befördert. Dort mussten die Menschen auf dem dahinter liegenden Gleis 40 einen Personenzug besteigen, der sie nach Theresienstadt brachte, wo sie am 16. September 1942 eintrafen. Auf diesen Transport wurden insgesamt 1.372 Menschen gezwungen. 1.260 von ihnen wurden ermordet.

Erna Treitel wurde am 29. Januar 1943 von Theresienstadt mit dem Transport Ct-338 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Es handelte sich dabei um einen sog. Todestransport, den weniger als zehn Prozent der Deportierten überlebten. Von den eintausend Menschen dieses Transportes überlebten zwölf. Erna Treitel gehörte nicht zu ihnen. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.

Willy Treitel kam nur wenige Wochen nach seiner Ankunft in Theresienstadt, am 10. Oktober 1942, um. Laut der Todesfallanzeige des dortigen Ältestenrates starb er an Rippenfelleiter.

Ihr Sohn Kurt konnte am 4. März 1939 als Siebzehnjähriger nach England entkommen und überlebte so den Völkermord.

 

Ihr Bruder Erich Steinheim wurde als sog. Aktionsjude am 12. November 1938 in Buchenwald eingeliefert (Häftlingsnummer 26081) und am 20. November 1938 dort entlassen. Am 18. Februar 1945 wurde er mit dem Transport XII/10-164 nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte und kehrte im Juni 1945 zunächst nach Frankfurt/Main zurück. Erich Steinheim emigrierte im Dezember 1946 in die USA.

Auch ihr Bruder Martin Steinheim wurde - wie es offiziell hieß - bei der "Judenaktion vom 10.11.38" von Frankfurt nach Buchenwald (Häftlingsnr. 29290) deportiert, wo er am 6. Januar 1939 entlassen wurde. Er überlebte den Völkermord und kehrte nach Frankfurt zurück.

 

Ihre Schwester Gretchen, später Grace (verheiratet mit Jakob Stern, geb. 28.01.1886) emigrierte in die USA und starb dort 1977.

   

QUELLEN: StdA DT MK; Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main; StdA Essen; www.holocaust.cz; Nationalarchiv Prag; Institut Theresienstädter Initiative; Arolsen Archives

LITERATUR: Monica Kingreen (1999) und (2016)
S. auch: https://www.juedischesmuseum.de/besuchen/grossmarkthalle-frankfurt/

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für die Familie Steinheim in Detmold (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Meldeeintrag für die Familie Steinheim in Frankfurt am Main (Nullkartei, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)

 

Dokument 3

Meldeeintrag für die Familie Treitel in Frankfurt am Main (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)

 

Dokument 4

Transportliste aus dem Gestapobereich Frankfurt a. Main zum Ghetto Theresienstadt, 15. September 1942 (1.2.1.1-11200293, - 373-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

 

Dokument 5

Inhaftierungsbescheinigung für Erna Treitel durch das Internationale Rote Kreuz, 13.02.1958 (Auszug a. d. Korrespondenzakte, 6.3.3.2-103904343-ITS Digital Achives, Arolsen Archives)

   
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