S_Biographien

geb. 12.06.1872 in Gnoien, Mecklenburg - 20.04.1943 im Ghetoo und Konzentrationslager Theresienstadt

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Ehemann: Paul Seelig (12.03.1858 in Güstrow - [1925/26]), Kaufmann
Kinder: Anton Seelig (22.05.1905 - 11.02.1906 in Güstrow)
Elfriede Seelig (geb. 07.03.1907 in Güstrow)
Siegfried Seelig (02.11.1913 in Güstrow)

 

Wohnorte: Güstrow, Pferdemarkt 46
Güstrow, Hansenstr. 15
12.06.1941 Detmold, Hornsche Str. 33 bei Willi Steinweg
04.07.1941 Münster, Jüdefelderstr. 14 (sog. Judenhaus)
Güstrow, Hansenstr. 15
10.07.1941 Detmold, Hornsche Str. 33 bei W. Steinweg
25.07.1941 Münster, Jüdefelderstr. 14 (sog. Judenhaus)
Güstrow, Hansenstr. 15

Vermerk auf der Detmolder Meldekarte: Detmold nur II. Wohnsitz. Erste Wohnung besteht in Güstrow.



Vera Seelig lebte verwitwet für einige Wochen in Detmold. Aus welchem Grund sie sich hier aufhielt, ist nicht dokumentiert und bleibt daher ungeklärt. Ihr Aufenthalt in Münster hingegen erklärt sich durch den Kontakt zu ihrem dort lebenden Stiefsohn Reinhold und dessen Familie.
Vera Seeligs Lebensschwerpunkt lag in Güstrow. Dort gab es im Vergleich zu anderen mecklenburgischen Kleinstädten, wo Juden eher isoliert in der Diaspora lebten, ein reges Gemeindeleben mit eigener Synagoge und jüdischer Schule. Vera Seelig lebte dort mit ihrem Mann Paul, der sechs Kinder bereits aus erster Ehe mit Antonie, geb. Sandow hatte, und ihren gemeinsamen Kindern.

Am 11. November 1942 wurde Vera Seelig als eine der zwei letzten noch in Güstrow verbliebenen Witwen zunächst nach Berlin transportiert. Alle anderen Güstrower Jüdinnen und Juden waren zu diesem Zeitpunkt bereits nach Auschwitz deportiert worden oder erlebten nur einen kurzen Aufschub ihrer Deportation aus anderen Städten. Den wenigsten war die Flucht ins Ausland gelungen.
Von Berlin wurde Vera Seelig am 20. November 1942 mit dem Transport I/79 Nr. 9959 nach Theresienstadt deportiert. Der vergleichsweise kleine 75. Alterstransport umfasste einhundert Menschen, von denen sechs überlebten. Vera Seelig gehörte nicht zu ihnen. Sie starb in Theresienstadt am 20. April 1943.

Ihr Stiefsohn Reinhold Seelig und seine Familie wurden im Dezember 1941 nach Riga deportiert. Ihre Tochter Elfriede überlebte die Verfolgungszeit in Italien.

   

QUELLEN: StdA DT MK; StdA Güstrow; Terezinska Pametni Kniha [Theresienstädter Gedenkbuch], Terezinska Iniciativa. - Prag 2000; www.yadvashem.org; Arolsen Archives

LITERATUR: Kasten (2008)

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für Vera Seelig (StdA DT MK) 1

 

Dokument 2

Meldekarte für Vera Seelig (StdA DT MK)

 

Dokument 3

Transportliste aus dem Gestapobereich Berlin zum GhettoTheresienstadt, Transport vom 20. November 1942 (1.2.1.1-12720561, -64-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

geb. 23.09.1878 in Duisburg

Religionszu­gehörigkeit jüdisch
Eltern Emmy Steinberg, geb. Schönfeld (05.12.1854 in Sandersleben/Anhalt - 17.10.1923 in Duisburg) und Hugo Steinberg (18.12.1852 in Dortmund - 24.07.1933 in Duisburg), Kaufleute, Inhaber eines Hut- und Schirmgeschäfts
Geschwister Else Steinberg, Verkäuferin, Geschäftsinhaberin des elterlichen Betriebs (31.10.1876 in Hannover - 15.02.1944 in Theresienstadt)
Kurt Steinberg, Kaufmann und Transportunternehmer (25.08.1879 in Duisburg - 17.08.1955 in Bad Nauheim)
Käthe Steinberg, Verkäuferin im elterlichen Geschäft (13.01.1881 in Duisburg - 30.03.1942 in Riga)
Henriette (Henny) Steinberg (12.01.1882 in Duisburg - 08.05.1945, für tot erklärt)
Dr. Walter Steinberg, Arzt (geb. 08.06.1889 in Duisburg)
Ehefrau Rosa Steinberg, geb. Steinberg (geb. 18.10.1878 in Hörde/Dortmund)
Sohn Karl Steinberg (30.03.1913 in Duisburg - 08.05.1945, für tot erklärt)
Beruf Kaufmann

Wohnorte: Duisburg, [Poststr. 19]
vor 27.10.1898 Detmold, Orbker Str. 3 bei Examus
Zielenzig, Kreis Oststernberg (heute Polen)
12.12.1902 Pirmasens, Gasstr. 11
Oktober 1903 Königssteele/Westf.
1912 Duisburg, Pulverweg 40
1939 Duisburg, Poststr. 19

 

Hermann Steinberg lebte bis 1898 in Detmold, wo er als Volontär im Getreidehandel der Familie Examus tätig war und auch dort im Hause wohnte. In Pirmasens, einem seiner späteren Wohnorte, war er als Kaufmann bei Louis Friedenreich beschäftigt. Am 16. Juni 1912 heiratete er Rosa Steinberg. Ihr gemeinsamer Sohn Karl wurde im folgenden Jahr geboren. Als ihren Lebensmittelpunkt wählten sie Duisburg.
Hermann Steinberg war Soldat im Ersten Weltkrieg und Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) sowie im Israelitischen Männerverein Chewra.

Im Oktober 1937 wurde er wegen des Verdachts auf "Verstoß gegen das Blutschutzgesetz"1 denunziert. Das Ehepaar Steinberg hatte einer nichtjüdischen Frau, der durch die Gestapo ein "unsteter" Lebenswandel unterstellt wurde, ein Zimmer vermietet. Die Wohnung wurde durchsucht, und Hermann Steinberg wurde von der Gestapo verhört. Da letztlich keine strafbare Handlung nachgewiesen werden konnte, erfolgten keine weiteren Sanktionen. Allerdings wurden auch bei Hermann Steinbergs Brüdern Walter und Kurt Ermittlungen durchgeführt, die den Einzug von deren Vermögen zur Folge hatten.

Am 11. Dezember 1941 wurde Hermann Steinberg zusammen mit seiner Frau Rosa, seinem Sohn Karl und seiner Schwiegertochter Gerda nach Riga deportiert. Dort kam er laut Angaben von Yad Vashem zwei Monate nach seiner Ankunft, am 16. Februar 1942, um. In weiteren Quellen wird er als verschollen angegeben.

Das Schicksal von Rosa Steinberg bleibt bislang ungeklärt.

Sein Sohn Karl Steinberg, der Angestellter bei der Firma Gebr. Alsberg2 war, wurde am 8. August 1944 aus Riga in das Konzentrationslager Stutthof deportiert und von dort am 16. August 1944 nach Buchenwald. Am 8. September 1944 wurde er zum Kommando Tröglitz-Rehmsdorf überstellt. Weiteres zu seinem Lebensweg ist nicht dokumentiert. Karl Steinberg wurde für tot erklärt. Als amtliches Datum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt. Seine Frau Gerda, geb. Leeser überlebte und wanderte 1948 in die USA aus.


Hermann Steinbergs Schwester Else starb in Theresienstadt. Seine Schwester Käthe kam wenige Woche nach ihm ebenfalls in Riga, vermutlich am 30. März 1942, um. Das Schicksal seiner Schwester Henriette bleibt bislang ungeklärt. Sie wanderte im Oktober 1939 nach Belgien aus. Einer Quelle zufolge, wurde sie in Frankreich für tot erklärt. Als offizielles Todesdatum wurde der 8. Mai 1945 festgesetzt. In weiteren Quellen wird hingegen angegeben, sie sei in Auschwitz umgekommen und gelte als verschollen.

Sein Bruder Kurt war vom 14. Juni 1938 bis Februar 1939 in Sachsenhausen inhaftiert und musste nach seiner Rückkehr nach Duisburg Zwangsarbeit leisten. Seine Auswanderungspläne nach Shanghai konnte er aufgrund des Kriegsbeginns nicht in die Tat umsetzen. Am 24. Juni 1942 wurde er nach Theresienstadt deportiert und kehrte im Juli 1945 zurück nach Duisburg.

Sein Bruder Walter wanderte im April 1936 in die UdSSR aus, wo er ein Jahr später, im Oktober 1937 wegen Spionageverdacht verhaftet wurde. Seine nichtjüdische Ehefrau Frieda, geb. Kornteffel kehrte 1938 nach Brandenburg/Havel zurück.

1 Das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" vom 15. September 1935 (RGBl. I S. 1146; auch "Blutschutzgesetz" genannt) war Teil der Nürnberger Rassengesetze.
2 In Detmold befand sich eine Filiale der Firma Alsberg in der Bruchstraße 18-20. S. Mitschke-Buchholz (2020).

   

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW Rheinland RW 58; StdA Pirmasens; StdA Duisburg; www.yadvashem.org; Arolsen Archives

LITERATUR: Roden, von und Vogedes (1986)

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für Hermann Steinberg in Detmold (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Deportationsliste der Gestapo Düsseldorf, o. D. (1.2.1.1-11199025-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

 

Dokument 3

Deportationsliste der Gestapo Düsseldorf, o. D. (1.2.1.1-11199070-ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

geb. 09.08.1881 in Detmold

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Sophie Salomon, geb. Oppenheimer und Hermann Salomon (geb. 17.01.1843 in Olfen - 1907), Bankier
Geschwister: Siegfried Salomon (geb. 17.07.1878 in Lemgo)
Käthe Salomon (geb. 06.05.1883 in Detmold)
Emmy Salomon (geb. 12.08.1886 in Detmold)
Martha Salomon (geb. 24.06.1889 in Detmold)
Ehefrau: Käthe Salomon, geb. Molling (geb. 27.03.1897 in Hannover)
Söhne: Carl-Hermann Salomon (20.07.1920 in Hannover - 21.08.1984 in Ann Arbor (USA)
Carl-Heinrich Salomon (geb. 25.09.1921 in Hannover)
Beruf: Arzt

 

Wohnorte: Detmold, Hornsche Str.
1910-1913 Greifswald, Langefuhrstr. 23/23 a (Universitätskrankenhaus)
07.04.1914 Hannover, Königstr. 50a
1937 Berlin, Gneisenaustr. 17
01.10.1938 Hannover, Warmbüchenstr. 24
30.09.1939 München, Hermann-Schmid-Str. 7 - IKG Krankenheim

 

Carl Salomon wurde in Detmold geboren und besuchte hier die Volksschule und die Realgymnasien in Detmold und Bielefeld. Sein Studium der Medizin führte ihn an die Universitäten in München, Kiel und Berlin. Von April bis zum September 1904 leistete er einen Teil des Militärdienstes in München. Den zweiten Teil von September 1909 bis Februar 1910 absolvierte er als Freiwilliger Arzt in einem Artillerieregiment in Berlin.
Am 21. Dezember 1906 legte er in Kiel das Staatsexamen ab, ein Jahr später die Doktorprüfung. 1908 wurde er zum Doktor der Medizin promoviert. Von 1910 bis 1913 war er zunächst als Volontärassistenzarzt, danach als Assistenzarzt in der Königlichen Chirurgischen Universitätsklinik in Greifswald tätig.
Am Ersten Weltkrieg nahm er als Stabsarzt teil. Danach arbeitete er als Facharzt für Chirurgie in Hannover und setzte nun mit der Versorgung von Kriegsverletzten und Unfallopfern seinen Behandlungsschwerpunkt. Am 16. Februar 1919 heiratete er in Hannover Käthe Molling, die aus einer sehr bekannten ebenfalls jüdischen Familie stammte, die seit der Generation ihres Großvaters ein Kaufhaus in Hannover betrieb. Carl Salomon war ab 1939 in München im Israelitischen Krankenheim tätig.

Am 4. April 1942 wurde Carl Salomon zusammen mit seiner Frau Käthe in das Ghetto von Piaski im Distrikt Lublin des Generalgouvernements deportiert. Auf der Deportationsliste der Gestapo München wurde Dr. Carl Salomon als sog. Krankenbehandler geführt, da ihm als Jude die Bezeichnung Arzt untersagt war. Insgesamt waren 987 Menschen auf diesem Transport, 325 stammten aus München.
Carl und Käthe Salomon wurden in Piaski ermordet.

Ihr Sohn Carl-Hermann (später Charles Sloan) studierte Chemie und zog am 27. September 1939 nach Berlin-Wilmersdorf, wo er im Untergrund einige Jahre überleben konnte. Später war er jedoch im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, wo er befreit wurde. Zunächst kehrte er am 20. Juni 1945 nach Hannover zurück. 1948 gelang ihm durch die Hilfe seines Bruders die Emigration nach London.
Carl- Heinrich Salomon (später Peter [Saloman]) war in Hannover als Maschinenbaupraktikant gemeldet. Ihm gelang eine Flucht, und er emigrierte am 7. April 1939 nach Thornford in England.

   

 

QUELLEN: LAV NRW OWL P 3|4 Nr. 893; StdA DT MK; StdA Greifswald; StdA Hannover; StdA München Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945; www.ushmm.org; Arolsen Archives

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Passfoto von Dr. Carl Salomon, o. J. (StdA München KKD 3546 )

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte für Carl Salomon (StdA DT MK)

Rufname: Theodor

12.09.1863 in Lage/Heiden - 07.09.1942 im Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Hanne Steinheim, geb. Gusdorf und Moses Steinheim (Vieh- und Produktenhändler)
2. Ehefrau von Moses Steinheim: Julie Steinheim, geb. Obermeier (1841-1905)
Geschwister: Abraham, gen. Albert Steinheim (geb. 1861)
Frieda Steinheim (geb. 1872)
Julius Steinheim (geb. 1876)
Louis Steinheim (geb. 1878)
Rosa Steinheim (geb. 1882)
Ehefrau: Therese Steinheim, geb. Moseska
Kinder: Josef Kurt Steinheim ( Schauspieler, 20.12.1889 in Hainichen - 29.01.1918, gefallen)
Hanna Gretchen (später: Grace) Stern, geb. Steinheim, Büroangestellte (12.02.1891 in Freiberg - 05.02.1977 in Long Island, USA)
Erich Albert Steinheim, Kaufmann (geb. 24.04.1892 in Freiberg)
Erna Else Treitel, geb. Steinheim (geb. 23.06.1894 in Lage)
Martin Steinheim Dekorateur (geb. 10.09.1895 in Detmold)
Hans Steinheim (geb. 06.01.1897 in Frankfurt/m.)
Elisabeth Gertrud Alma Morgenstern, geb. Steinheim (geb. 15.09.1898 in Frankfurt/M.)
Walther Maximilian Steinheim (geb. 05.03.1904 in Frankfurt/M.)
Beruf: Versicherungskaufmann, Generalagent

 

Wohnorte: Lage, Heidensche Str. 6
1890 Hainichen, Neumarkt (früher Hainichen Nr. 420)
18.08.1890 Freiberg, Fischerstr. 8
03.08.1892 Stettin
03.10.1894 Detmold, Lagesche Str. 36 bei Baumeister
Frankfurt/Main:
22.09.1896 Frankfurt/Main, Kronprinzenstr. 38 aus Essen
29.08.1897 aus Detmold zurück
01.10.1899 Kronprinzenstr. 28
01.04.1904 Scharnhorststr. 12
23.03.1909 Ruprechtsr. 6
08.04.1932 Hanauer Landstr. 25
[1935] Leerbachstr. 104
04.01.1936 Bornwiesenweg 53
18.02.1939 Unterweg 20
07.11.1939 Wöhlerstr. 13

 


Theodor Steinheim war ein Sohn des Vieh- und Produktenhändler Moses Steinheim und wuchs in Lage/Heiden mit fünf Geschwistern auf. Seine berufliche Tätigkeit als Versicherungskaufmann führte ihn in zahlreiche Städte, u. a. auch für eine Zeit nach Detmold. Am 18. März 1889 heiratete er Therese Moseska aus Küstrin. Mit ihr hatte er eine ebenfalls große Familie mit acht Kindern. Die weitaus längste Zeit ihres Lebens verbrachten sie in Frankfurt am Main.Theodor und Therese Steinheim wurden am 18. August 1942 aus dem Frankfurter jüdischen Altersheim in der Wöhlerstraße 13 mit dem Transport XII/1 nach Theresienstadt deportiert. Dies war die siebte Deportation aus Frankfurt, für die nun ganze Heime aufgelöst und damit große Gebäude frei wurden. Die alten und oftmals gebrechlichen Menschen mussten sich nicht wie zuvor üblich in der Frankfurter Großmarkthalle für den Transport einfinden, sondern wurden zunächst in dem großen Altersheim im Rechneigraben 18-20 gesammelt. Von dort wurden sie mit Lastwagen zum Ostflügel der Großmarkthalle und zu dem dahinter liegenden Gleis 40 gebracht, von dem der Personenzug nach Theresienstadt abfuhr. Insgesamt umfasste dieser Transport 1020 Menschen. Elf von ihnen überlebten den Transport, der in großer Hitze Theresienstadt erreichte, nicht. Nur siebzehn der mehr als eintausend Deportierten erlebten die Befreiung.Theodor Steinheim gehörte nicht dazu. Er starb bereits kurze Zeit nach seiner Ankunft in Theresienstadt am 7. September 1942. Die Todesursache wurde laut Todesfallanzeige des dortigen Ältestenrates mit Altersschwäche angegeben. Er überlebte seine Frau Therese um drei Tage.

Sein Sohn Erich wurde als sog. Aktionsjude am 12. November 1938 in Buchenwald eingeliefert (Häftlingsnummer 26081) und am 20. November 1938 dort entlassen. Am 18. Februar 1945 wurde er mit dem Transport 164-XII/10 nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte und kehrte im Juni 1945 zunächst nach Frankfurt/Main zurück. Erich Steinheim emigrierte im Dezember 1946 in die USA.

Martin Steinheim wurde wie sein Bruder Erich - wie es offiziell hieß - bei der "Judenaktion vom 10.11.38" von Frankfurt nach Buchenwald (Häftlings-Nr. 29290) verschleppt, wo er allerdings erst am 6. Januar 1939 entlassen wurde. Er überlebte den Völkermord und bemühte sich nach dem Krieg um Entschädigungsleistungen. Dies tat ebenfalls seine Schwester Gretchen, später Grace (verheiratet mit Jakob Stern, geb. 28.01.1886), die in die USA emigrierte und dort 1977 starb.



QUELLEN: StdA DT MK; Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main; StdA Hainichen; StdA Freiberg; StdA Essen; www.holocaust.cz; Nationalarchiv Prag; Institut Theresienstädter Initiative; Arolsen Archives; s. auch: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden HHStAW Bestand 519/3 Nr. 8147, Bestand 518 Nr. 2942

LITERATUR: Hankemeier (2003), Kingreen (1999), Kingreen (2016)
S. auch: https://www.juedischesmuseum.de/besuchen/grossmarkthalle-frankfurt/

 

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DOKUMENTE

 

Dokument 1

Meldekarte für die Familie Steinheim in Detmold (StdA DT MK)

 

Dokument 2

Meldeeintrag für die Familie Steinheim in Frankfurt am Main (Nullkartei, Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main)

 

Dokument 3

Todesfallanzeige für Theodor Steinheim, Theresienstadt 07.09.1942 (Nationalarchiv Prag HBMa, Inv. Nr. 2596 - digitalisiert von der Theresienstadt Initiative Prag



 

geb. 16.03.1909 in Dortmund

Religionszu­gehörigkeit: jüdisch
Eltern: Rosalie Silberberg, geb. Cohn und Isaak Silberberg
Beruf: Polsterer, Arbeiter

 

Wohnorte: 28.04.1922 Paderborn, Jüdisches Provinzial-Waisenhaus, Leostr. 3
06.06.1924 Willebadessen
Hausberge, Hauptstr. 35
29.06.1933 Idstein/Taunus
Detmold:
07.11.1933 Hermannstr. 57 bei Examus
26.01.1934 Hornsche Str. 23 bei Hesse
15.01.1935 Schülerstr. 37 bei Frevert
31.08.1935 Hornsche Str. 23 bei Hesse
06.02.1936 Karlstr. 8
04.12.1937 Hermannstr. 27 bei Hesse
03.05.1938 abgemeldet nach Hausberge a. d. Porta 35, Viktor-Lutze-Str. 35
07.06.1938 Hermannstr. 27 bei Hesse
04.11.1938 abgemeldet nach Hausberge, Viktor-Lutze-Str. 35
15.12.1941-25.03.1942 Hausberge, Viktor-Lutze-Str. 80
30.03.1942 Hausberge
01.04.1942 "von der Geheimen Staatspolizei Bielefeld abgeschoben"

 

Leo Silberberg stammte aus Dortmund und wurde als Dreizehnjähriger für zwei Jahre im Jüdischen Provinzial-Waisenhaus in Paderborn untergebracht.

Er erlernte den Beruf des Polsterers. Es folgten zahlreiche Wohnungswechsel innerhalb Detmolds, aber auch wiederholte Ortswechsel nach Hausberge an der Porta.

Ein Schreiben vom 11. April 1938 von Eduard Kauders an einen Onkel Silberbergs in Köln dokumentiert dessen Bemühungen, in die USA auszuwandern. Leo Silberberg hatte sich Hilfe suchend an Kauders in dessen Funktion als einer der Leiter des Detmolder Büros der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland gewandt und angegeben, am 1. April d. J. seine Arbeit verloren zu haben und nun zu einer Tante in Amerika, deren Namen und Adresse ihm jedoch nicht bekannt waren, auswandern zu wollen.

Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Während des Novemberpogroms wurde Leo Silberberg verhaftet und als sog. Aktionsjude durch die Gestapo Bielefeld in das Konzentrationslager Buchenwald (Häftlingsnummer 28851) eingeliefert. Am 27. Januar 1939 wurde er dort entlassen. Durch die erhaltenen Unterlagen ist nicht dokumentiert, wo sich Leo Silberberg in dem Zeitraum von seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager bis zu seiner Anmeldung wiederum in Hausberge im Dezember 1941 aufgehalten hatte. Von dort wurde er durch die Gestapo Bielefeld, wie es offiziell hieß, "abgeschoben".

Leo Silberberg wurde nach Warschau deportiert. Er gilt als verschollen.

   

 

QUELLEN: StdA DT MK; LAV NRW OWL D 107 Nr. 887; StdA Porta Westfalica; Stadt Willebadessen; StdA Idstein; StdA Dortmund; StdA und KA Paderborn; Arolsen Archives

 

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DOKUMENTE

Dokument 1

Einwohnermeldekarte für Leo Silberberg in Paderborn (StdA und KA Paderborn S-12594)

 

Dokument 2

Einwohnermeldekarte für Leo Silberberg in Porta Westfalica (Bürgerservice Stadt Porta Westfalica)

 

Dokument 3

Einwohnermeldekarte für Leo Silberberg in Detmold (StdA DT MK)

 

Dokument 4

Einwohnermeldekarte für Leo Silberberg 2 (StdA DT MK)

 

Dokument 5

Zugangsliste des Konzentrationslagers Buchenwald, 03.01.1939 (1.1.5.1 - 5290764, ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

 

Dokument 6

Veränderungsmeldung vom 27.01.1939 des Konzentrationslagers Buchenwald (1.1.5.1 - 5278404, ITS Digital Archive, Arolsen Archives)

   
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